Für einen Tag von Sarandë nach Korfu

Ein Tag von Sarandë nach Korfu: Fähre über die Straße von Korfu, Markt und Altstadt von Kerkyra, die Desyllas-Fabrik und eine Fähre aus Japan.

Google war bei der Ortsbestimmung durch den ständigen Länderwechsel etwas verwirrt

Bei der Planung hatte ich nicht berücksichtigt, dass es von Borsh bis Sarandë auch noch einmal rund 42 Kilometer sind. Also sind wir heute letztendlich fast genauso viel gefahren wie an manchem Reisetag – nur ohne die Unterkunft zu wechseln.

Ein Tagesausflug über die Grenze

Der Mini bekam dafür am Fährhafen von Sarandë fast einen ganzen Tag Pause und wir wechselten das Verkehrsmittel. Unser Ziel war Korfu – oder Kérkyra, wie die Insel und auch ihre Hauptstadt auf Griechisch heißen.

Der Mini wartet am Hafen auf uns

Korfu liegt erstaunlich dicht vor der albanischen Küste. An der schmalsten Stelle trennen die Insel nur wenige Kilometer vom albanischen Festland. Sarandë und Korfu-Stadt liegen etwas weiter auseinander, aber trotzdem ist das für einen internationalen Grenzübertritt eine ziemlich kurze Reise. Die schnellen Tragflügelboote schaffen die Strecke in etwa einer halben Stunde, die normalen Passagier- und Autofähren brauchen ungefähr eine Stunde.

Für die Schnellboote hatten wir leider keine Tickets mehr bekommen, also nahmen wir die langsamere Fähre. Rappelvoll war sie trotzdem. Auf unserer Fahrt waren interessanterweise keine Autos dabei. Grundsätzlich gibt es auf der Strecke aber durchaus Autofähren. Für einen Tagesausflug ist das Auto ohnehin wenig sinnvoll. Also blieb unser Mini ganz entspannt in Sarandë.

Die Schnellboote nach Korfu – leider war für uns kein Platz mehr frei

Griechenland ist Albanien eine Stunde voraus, sodass wir gegen 12 Uhr griechischer Zeit in Korfu ankamen – also pünktlich zur Mittagshitze. Der internationale Fähranleger liegt ziemlich weit draußen am Hafen, und bis zum eigentlichen Zentrum läuft man gut 20 Minuten. In der ersten Kaffeebar auf dem Weg haben wir uns deshalb erst einmal erfrischt und gestärkt.

Schon die ersten Häuser auf Korfu sehen deutlich anders aus

Ähnlich voll wie die Fähre war auch die Stadt. Und der Verkehr war für eine Inselstadt beachtlich. Stellenweise schoben sich die Autos einfach Stoßstange an Stoßstange durch die Straßen.

Neue Festung und Markt

Unser erstes Ziel war der Markt. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einer gewaltigen Festungsanlage vorbei. Zunächst dachten wir, hier sei es ähnlich wie in Berat und Gjirokastër: Die Außenmauern stehen noch, aber vom Inneren der alten Burg ist kaum etwas übrig.

Ganz so war es allerdings nicht. Was wir dort sahen, gehört zur Neuen Festung von Korfu, dem Neo Frourio, die die Venezianer ab dem späten 16. Jahrhundert errichteten. Direkt beim Markt verläuft ihr trockener Festungsgraben. Deshalb wirkt es von unten tatsächlich ein wenig so, als sei die Anlage einfach mit Erde aufgefüllt worden. Die eigentliche Festung liegt höher auf dem Hügel. An den Mauern erinnert der geflügelte Markuslöwe bis heute daran, dass Korfu über Jahrhunderte unter venezianischer Herrschaft stand.

Am trockenen Graben der Neuen Festung: venezianische Mauern und der Markuslöwe

Der Markt selbst bestand im Wesentlichen aus Fischständen sowie Obst und Gemüse – und natürlich gab es zwischendrin immer wieder Kaffee. Im Nachhinein hätten wir uns hier eigentlich einen nehmen sollen. Andererseits waren wir froh, dass wir unsere erste Erfrischung schon hinter uns hatten. Auch bei den Preisen war der Grenzübertritt deutlich zu spüren: Euro statt Lek und insgesamt ein gutes Stück teurer als in Albanien.

Fisch, Obst und Gemüse auf dem Markt von Korfu

Als wir den Markt verließen, entdeckten wir dann doch noch ein kleines rundes Türmchen auf der Festungsmauer. Solche vorspringenden Wachttürmchen ermöglichten den Wachen einen guten Blick entlang der Mauer und in den Festungsgraben. Ein kleines Detail, das zwischen den gewaltigen Mauern fast verloren geht.

Ein kleines Wachttürmchen auf der Festungsmauer

Vom Schatten direkt in den Backofen

Unmittelbar nach dem Markt beginnt eine breite, von alten Bäumen beschattete Straße Richtung Altstadt. Das war bei der Hitze sehr angenehm und ließ sich gut laufen. Sobald man aber in die engeren Gassen der Altstadt abbog, änderte sich das schlagartig. Viel Stein, wenig Grün und nur der Schatten der hohen Häuser. Die Mauern und Pflastersteine hatten sich derart aufgeheizt, dass man sich stellenweise wie in einem Backofen fühlte.

Die schattige Allee Richtung Altstadt

Der Kontrast zu den Basaren in Albanien hätte kaum größer sein können. Wenn man mich vorher gefragt hätte, hätte ich nicht gedacht, dass der Unterschied so augenscheinlich sein würde. Das Warenangebot war umfangreicher, bunter und wirkte stärker auf einen europäischen Alltag ausgerichtet. Natürlich gab es auch jede Menge für Touristen, aber dazwischen ebenso Kleidung und Gebrauchsgegenstände, bei denen man das Gefühl hatte, dass hier auch die Einheimischen einkaufen. Vielleicht lag es an den Farben, vielleicht am griechischen Design – auf jeden Fall fühlte es sich nach den vergangenen Tagen in Albanien sofort anders an.

Altstadtgewusel zwischen Läden und alten Fassaden

Die Altstadt ist aber keineswegs nur Kulisse für Besucher. In den ruhigeren Nebengassen sieht man sofort, dass hier ganz normal gelebt wird. Balkone, offene Fenster und die Wäsche, die quer über den schmalen Gassen über unseren Köpfen hing.

Bewohnte Altstadt: Die Wäsche hängt über unseren Köpfen

Pause am Liston

Zwischendrin machten wir eine Pause am Liston, der langen Arkadenzeile am Rand der Spianada. Das sah ausgesprochen einladend aus, zumal dort große alte Bäume dicht an der Altstadt stehen. Also suchten wir uns darunter einen Platz.

Direkt daneben liegt die große Grünfläche der Spianada. Nur war selbst das Gras von der Sonne inzwischen so aufgeheizt, dass von dort ständig eine warme Brise unter die Bäume zog. Nach etwas zu trinken ging es deshalb wieder hinein in die Gassen. In der zweiten Hälfte unserer Altstadtrunde fanden wir dann auch noch ein paar schöne Sachen als Andenken.

Viel Vegetarisches für Angela

Mittlerweile war es schon gegen 17 Uhr und wir suchten uns am Rand der Altstadt in einer Seitenstraße ein Restaurant für ein spätes Mittagessen oder frühes Abendessen. Wir hatten ganz bewusst nach einer möglichst großen vegetarischen Auswahl gesucht – und Angela wurde fündig.

Das Essen war sehr lecker, der Service ausgesprochen gut und das Restaurant insgesamt eine klare Empfehlung. An den vielen Reserviert-Schildern konnte man außerdem erkennen, dass wir mit diesem Eindruck offenbar nicht allein waren. Für den Abend war der größte Teil der Tische bereits reserviert.

Viel Vegetarisches für Angela

Eine Hanffabrik mit Geschichte

Dann mussten wir auch schon wieder Richtung Hafen. Unterwegs fiel uns eine große alte Industriebrache auf. Wie sich später herausstellte, war das die ehemalige Desyllas-Fabrik.

Das Werk wurde bereits 1871 gegründet und verarbeitete Flachs, Jute und Hanf. Es entwickelte sich zu einem der bedeutenden Industriebetriebe Korfus und blieb bis 1985 in Betrieb. Heute stehen große Teile des Komplexes leer. Spannend ist, dass sich unter der Industriegeschichte noch eine wesentlich ältere verbirgt: Auf dem Gelände wurden bei Ausgrabungen unter anderem Teile der Befestigung der antiken Stadt gefunden. Eine Industriebrache, unter der noch einmal mehr als zweitausend Jahre Geschichte liegen.

Die ehemalige Desyllas-Fabrik – einst wurden hier Hanf, Flachs und Jute verarbeitet

Gerade noch die 19-Uhr-Fähre

Man hatte uns schon vorher gesagt, dass wir mindestens eine Stunde vor Abfahrt am internationalen Terminal sein sollten, weil die Schlange an der Sicherheits- und Passkontrolle lang werden kann. Gegen 18:40 Uhr waren wir dort und tatsächlich stand schon eine ordentliche Reihe vor uns. Es ging allerdings überraschend zügig voran.

Kurz vor 19 Uhr hieß es auf einmal, alle Passagiere für die 19-Uhr-Fähre sollten nach vorne kommen. Damit löste sich unsere Schlange schlagartig noch schneller auf. Nach Pass- und Sicherheitskontrolle liefen noch ein paar Leute vor uns aufs Schiff – und tatsächlich: Wir hatten die Fähre noch erwischt.

Unsere Fähre hatte schon ein Leben in Japan

Auf der Fähre fielen uns merkwürdige Schriftzeichen auf. Die waren tatsächlich japanisch. Dort stand „足元注意“, sinngemäß: „Vorsicht, auf den Schritt achten“.

„足元注意“ – japanisch für „Vorsicht, auf den Schritt achten“. Unsere Fähre begann ihr Leben tatsächlich in Japan

Und dahinter steckt eine erstaunliche Geschichte. Unsere Finikas Highspeed wurde 1998 bei Mitsubishi Heavy Industries in Shimonoseki in Japan gebaut. Damals hieß sie Oniyouzu und fuhr in Japan im Passagierverkehr. 2019 kam sie nach Griechenland und erhielt den Namen Sfakia Pioneer. 2024 wurde sie schließlich an die albanische Finikas Lines verkauft, in Finikas Highspeed umbenannt und auf die Strecke zwischen Sarandë und Korfu geschickt. Die japanischen Warnhinweise hat offenbar niemand für nötig gehalten zu entfernen – und so fährt ein kleines Stück Japan heute zwischen Albanien und Griechenland hin und her.

Durch die Zeitverschiebung wurde die Rückfahrt dann noch ein bisschen kurios: Wir legten um 19:05 Uhr griechischer Zeit ab, stellten unterwegs die Uhr wieder eine Stunde zurück und waren um 19:03 Uhr albanischer Zeit schon wieder in Sarandë.

Noch einmal ein Blick auf den African Beach Club – diesmal von der Seeseite

Bei der Einfahrt in den Hafen konnten wir noch einmal einen Blick auf den African Beach Club erhaschen, diesmal von der Seeseite. Aber auch aus dieser Perspektive sah er für uns nicht einladender aus als am Vortag von Land.

Und der Mini hatte fast einen ganzen Tag Pause

Zurück nach Borsh

Dann durfte der Mini doch noch einmal ran. Trotz des dichten Verkehrs waren wir gegen 20:30 Uhr wieder in Borsh, kauften uns noch eine Flasche Wein und ließen den Abend gemütlich auf dem Balkon über dem Meer ausklingen – nach der geschäftigen und lauten Stadt am Tag nun nur noch begleitet vom beruhigenden, natürlichen Wellenschlag.