Vom Blauen Auge über Sarandë ins Robinson-Haus

Vom überfüllten Blauen Auge über das quirlige Sarandë bis nach Borsh: 102 kurvenreiche Kilometer, ein Robinson-Haus direkt am Meer und fangfrischer Seebarsch zum Sonnenuntergang.

Heute sind wir früh aufgestanden. Nach der Erfahrung gestern war klar: Auf der Terrasse gab es nur einen schattigen Tisch, und den wollten wir wieder haben. Außerdem wollten wir nicht zu spät loskommen. Gerade einmal 102 Kilometer lagen vor uns – eigentlich keine Entfernung, wenn da nicht die vielen Serpentinen gewesen wären.

102 Kilometer – in offenem Gelände ein Klacks, wenn da nicht die vielen Serpentinen gewesen wären

Das Blaue Auge – heute lieber nicht

Unser erster Plan für den Tag war ein Stopp am Blauen Auge, dem Syri i Kaltër. Für den Abstecher hatten wir ungefähr zweieinhalb Stunden eingeplant, und der Rückweg zum Auto wäre damit schon wieder in die Mittagshitze gefallen.

Syri i Kaltër ist eine Karstquelle bei Muzinë und eine der bekanntesten Naturattraktionen im Süden Albaniens. Das extrem klare Wasser tritt aus einem tiefen Quelltopf hervor. In der Mitte wirkt es dunkelblau wie eine Pupille, außen geht die Farbe ins Türkise und Grünliche über – daher der Name „Blaues Auge“. Die Quelle gehört heute zu einem rund 293 Hektar großen Naturpark und speist das Flusssystem der Bistricë.

So weit die Theorie. In der Praxis erledigte sich unser Ausflug, als wir am Parkplatz ankamen. Für einen Moment dachten wir, wir wären auf dem Oktoberfest gelandet: ein riesiger Parkplatz, Reisebusse ohne Ende und jede Menge Menschen, die sich gemeinsam auf den Weg zum Blauen Auge machten. Naturerlebnis in der Großgruppe war gerade nicht das, wonach uns der Sinn stand. Also blieben wir im Auto und fuhren weiter.

Fast wie beim Mannschaftskreis: eine Herde Pferde am Straßenrand

Sonntagmittag in Sarandë

Also ging es direkt weiter nach Sarandë zum Fährterminal. Es war Sonntagmittag und der Verkehr unglaublich. Gefühlt war auf den Straßen fast noch mehr los als an unseren Tagen in Tirana. Das Fährterminal hatten wir zwar schnell gefunden, einen Parkplatz allerdings lange nicht.

Als der Mini endlich stand, gingen wir zum Terminal und informierten uns über die Abfahrtszeiten der Fähren nach Korfu. Danach liefen wir am Wasser entlang zurück und suchten uns eine Bar für einen Kaffee.

Gelandet sind wir im African Beach Club. Modern und offensichtlich auf Publikum ausgelegt, aber nicht unbedingt unseres: Die Musik gefiel uns nicht, der Service ebenso wenig und auch der Kaffee konnte daran nichts mehr retten. Überhaupt war unser Eindruck von diesem Teil Sarandës vor allem eines: eine riesige Massenveranstaltung – und sehr viel Sehen und Gesehenwerden.

Der „einsame“ Stadtstrand von Sarandë

Dazu passt auch der Strand. Sarandë ist eben kein stiller Badeort, sondern eine richtige Küstenstadt. Direkt an der langen Promenade liegen öffentliche Stadtstrände, dahinter reihen sich Hotels, Restaurants, Bars und Beachclubs aneinander. Im August heißt das: Liegen, Sonnenschirme und Menschen dicht an dicht. Das Wasser des Ionischen Meeres bleibt trotzdem verlockend blau – nur Einsamkeit sollte man hier besser nicht suchen.

Ein Stück weiter lockerte es sich dann immerhin etwas auf

Kurven, Eis und fünf Kilometer Sandkiste

Wieder oben an der Straße gab es dafür noch ein richtig gutes Eis, und dann machten wir uns auf den Weg nach Borsh. Die Küstenstraße zog sich. Nicht wegen der Entfernung, sondern wegen der vielen Kurven – und wegen einiger ausgesprochen gemütlicher albanischer Fahrer, bei denen das Überholen auf dieser Strecke auch nicht immer ganz einfach war.

In Borsh selbst kamen dann noch einmal rund fünf Kilometer dazu, mehr oder weniger über eine Sandkiste parallel zum Strand. Wir holperten immer weiter und ahnten noch nicht, dass wir am Ende tatsächlich in unserem persönlichen Robinson-Haus landen würden.

Unser Robinson-Haus am Strand von Borsh

Die Villa John steht im wahrsten Sinne des Wortes am Strand. Von unserem Balkon schauen wir direkt aufs Meer, und unter uns beginnt praktisch schon das Wasser. Nach der Fahrt mussten wir natürlich erst einmal hinein.

Der Blick von unserem Zimmer – näher ans Wasser geht kaum

Danach gab es Kaffee auf dem Zimmer und eine Pause von der Hitze. Bis zu 38 Grad zeigte das Thermometer. Später gingen wir noch einmal schwimmen – diesmal gewissermaßen als Vorbereitung aufs Abendessen.

Fangfrischer Seebarsch zum Sonnenuntergang

Wenn man schon direkt am Meer sitzt, muss natürlich Fisch auf den Tisch. Zur Auswahl stand Seebarsch aus der Zucht oder fangfrisch. Wir entschieden uns für den fangfrischen – wohl wissend, dass auch in Albanien frischer Fisch kein Schnäppchen sein muss.

Abendessen direkt am Wasser bei Sonnenuntergang

Am Ende lagen wir bei rund 60 Euro für den Fisch und insgesamt knapp 100 Euro für das Abendessen. Für Albanien sicher kein Schnäppchen. Aber der Fisch war lecker, wir saßen direkt am Wasser und die Sonne ging langsam vor uns unter. Da lässt sich über den Preis leichter hinwegsehen.

Unser gegrillter Seebarsch – hier schon ein wenig geplündert

Den Rest des Abends verbrachten wir auf unserem Balkon und ließen bei einem Glas Rotwein noch einmal den Tag Revue passieren. Vom Oktoberfestgefühl am Blauen Auge über das volle Sarandë bis zu unserem Robinson-Haus am Strand – wieder einmal hatte Albanien auf gerade einmal 102 Kilometern ziemlich viele verschiedene Gesichter gezeigt.

Wieder geht ein heißer albanischer Tag zu Ende