Von Durrës über Bari in die Sassi von Matera

Mit der Nachtfähre von Durrës nach Bari und weiter nach Matera: Hafenchaos, Bari Vecchia, Sassi, Höhlenhaus und Küche der Basilikata.

Karte der Fährfahrt von Durrës nach Bari
Über Nacht nach Italien

Eine erstaunlich ruhige Nacht auf der Adria

Auf der Fähre angekommen sahen wir einige Leute, die mit Kissen und Luftmatratzen bewaffnet auf der Suche nach einem Schlafplatz waren. Spätestens da waren wir doch ziemlich froh, dass wir uns eine Kabine gegönnt hatten. Auch wenn es nur zwei Einzelbetten gab, verbrachten wir eine ausgesprochen ruhige und angenehme Nacht.

Am Anfang vibrierte noch irgendetwas in einem Kabelschacht hinter meinem Bett, aber irgendwann hörte ich auch das nicht mehr. Vom Schaukeln des Schiffes war nur ganz wenig zu spüren, zwischendurch ein leichtes Vibrieren der Motoren – mehr eigentlich nicht. So schliefen wir tatsächlich bis etwa 8:30 Uhr. Immerhin waren wir auch erst gegen 0:30 Uhr ins Bett gekommen.

Kaffee und Croissant an Deck der Fähre
Frühstück an Deck

Ankunft in Bari – der einfache Teil war das Anlegen

Wir hatten Durrës mit einer angekündigten Verspätung von ungefähr einer Stunde verlassen und waren deshalb davon ausgegangen, auch entsprechend später in Bari anzukommen. Doch gegen 8:30 Uhr wurde es plötzlich unruhig auf den Gängen. Mehrere Lautsprecherdurchsagen folgten, von denen wir allerdings kein Wort verstanden. Ein Blick auf Google Maps brachte die Erklärung: Wir waren bereits in der Hafeneinfahrt von Bari.

Also schnell zur Bar, einen Kaffee und ein Croissant geholt und damit nach draußen. Bei unserem kleinen Frühstück konnten wir das Anlegemanöver beobachten. Das war, wie sich kurz darauf herausstellen sollte, der einfache Teil der Ankunft.

Zurück in der Kabine packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg zum Auto. Dabei mussten wir feststellen, dass offenbar eine einzige Treppe hinunter in die Garage führte. Bei der Größe einer solchen Fähre ist das schon erstaunlich: Die GNV Blu kann 1.320 Passagiere und 455 Fahrzeuge aufnehmen. Da könnte man die Wege zu den Autodecks durchaus etwas großzügiger organisieren.

Wir standen mit dem Mini ohnehin eher im hinteren Drittel und hatten deshalb genügend Zeit. Normalerweise würde ich es nicht machen, aber im Auto hatte sich die Hitze bereits derart gestaut, dass ich den Motor startete und die Klimaanlage einschaltete. Zum Glück dauerte es vielleicht noch fünf Minuten, bis sich die Reihe vor uns in Bewegung setzte.

Ankunft mit der Fähre im Hafen von Bari
Ankunft in Bari

Von der Fähre selbst waren wir erstaunlich schnell herunter. Danach fuhren wir allerdings in einem großen Bogen über das Hafengelände und standen interessanterweise fast wieder dort, wo wir gerade angekommen waren – diesmal in der Schlange für die italienische Passkontrolle.

Karte des weitläufigen Hafengeländes von Bari
Eine gute Stunde haben wir gebraucht, um von links nach rechts zu kommen

Gegen 10 Uhr reihten wir uns dort ein, durch die Kontrolle waren wir aber erst kurz nach 11 Uhr. Und damit waren wir noch lange nicht aus dem Hafen heraus. Fast eine weitere Stunde schlängelten wir uns über das riesige Gelände, bis wir schließlich an einer ampelgeregelten Ausfahrt ankamen. Kurz nach 12 Uhr standen wir dann endlich in Bari.

Leuchtturm im Hafen von Bari
Leuchtturm in Bari

Ein kurzer Blick auf Bari Vecchia

Wenn wir nun schon einmal in Bari waren, wollten wir uns auch die Altstadt noch ansehen. Bari Vecchia ist ein dichtes Gewirr aus schmalen Gassen, kleinen Plätzen, Kirchen und alten Häusern. Zu den großen Wahrzeichen gehören das mächtige Castello Normanno-Svevo, dessen Kern auf die normannische Zeit zurückgeht und unter Friedrich II. ausgebaut wurde, die romanische Basilica di San Nicola mit den Reliquien des heiligen Nikolaus sowie die ebenfalls romanische Kathedrale San Sabino. Wir wollten daraus allerdings keinen Besichtigungsmarathon machen, sondern uns einfach ein wenig durch die Altstadt treiben lassen.

Kirche in der Altstadt von Bari
Unsere erste Kirche in Bari

Es fiel sofort auf, dass wir nicht mehr in Albanien waren. Nicht nur wegen des Euros. Auf der einen Seite wirkte die Altstadt wesentlich stärker renoviert und herausgeputzt, auf der anderen Seite kam sie uns im ersten Moment aber auch etwas rauer und unfreundlicher vor.

Auf der Suche nach einem Eiscafé taten wir uns zunächst erstaunlich schwer. Schließlich fanden wir eines auf dem Platz gegenüber dem Schloss und setzten uns. Nach gefühlten zehn Minuten, in denen unser Platz langsam vollständig in die Sonne wanderte und der Kellner mehrfach mit „Ich komme gleich“ an uns vorbeiging, gaben wir auf. Zum Glück entdeckten wir kurz darauf ein kleines Eiscafé, holten uns dort ein Eis auf die Faust und fanden auf dem Rückweg zum Auto sogar noch ein nettes Café für einen Eiskaffee.

Häuserzeile gegenüber dem Castello Normanno-Svevo in Bari
Die Häuserzeile gegenüber dem Schloss

Auf vier Spuren nach Matera

Bei der Ausfahrt aus Bari kamen wir tatsächlich an einem Lidl vorbei und stoppten spontan. Ich hatte Hunger auf Gummibären und Bananen, und für den Abend wanderten außerdem noch eine Flasche Wein und etwas Knabbergebäck in den Einkaufswagen.

Einkaufsstopp bei Lidl auf dem Weg nach Matera
Pitstop bei Lidl

Was ich bei der Planung übersehen hatte: Die Verbindung von Bari über Altamura nach Matera ist über weite Strecken inzwischen vierspurig und autobahnähnlich ausgebaut. Damit ging die Fahrt zwar sehr schnell, landschaftlich war sie aber eher langweilig und monoton. Einmal versuchte ich, von der Schnellstraße abzufahren und die alte Strecke zu nehmen. Die Straße wurde jedoch ziemlich schnell so schlecht, dass wir bei der nächsten Gelegenheit wieder auf die schnelle Verbindung zurückkehrten.

Der erste Blick in die Sassi

Palazzo Lanfranchi in Matera
Palazzo Lanfranchi

Unsere Unterkunft lag nur eine Querstraße hinter der Altstadt, und wir hatten sogar Glück mit einem Parkplatz mehr oder weniger direkt in der Seitenstraße beim Hotel. Nach einer kalten Dusche und einem erfrischenden Kaffee zogen wir los, um Matera zu erkunden.

Schon nach wenigen Minuten standen wir am Palazzo Lanfranchi, in dem ein Teil des Nationalmuseums von Matera untergebracht ist. Gleich daneben öffnete sich am Belvedere der Blick hinunter in den Sasso Caveoso. Das war der Moment, in dem Matera plötzlich seine ganze Besonderheit zeigte: Häuser, Treppen, Dächer, Terrassen und Höhlen lagen übereinander und gingen scheinbar ineinander über.

Blick hinunter in die Sassi von Matera
Die Senke von Matera

Die berühmten Sassi di Matera bestehen im Wesentlichen aus den beiden historischen Vierteln Sasso Caveoso und Sasso Barisano. Über Jahrhunderte wurden Wohnungen, Speicher, Werkstätten und Kirchen direkt in den Fels geschlagen oder vor bestehende Höhlen gebaut. Die Sassi gehören seit 1993 zum UNESCO-Welterbe. Auf der gegenüberliegenden Seite der Gravina konnten wir ebenfalls zahlreiche Höhlen in den Felsen erkennen – wie viele davon einmal genutzt worden waren, ließ sich von hier oben allerdings kaum erahnen.

Verwinkelte Gassen in den Sassi von Matera
Verwinkelte Gassen in Matera

Da wir meistens eher spät zu Mittag oder früh zu Abend essen und inzwischen Hunger hatten, suchten wir erst einmal ein Restaurant. Das erwies sich als schwieriger als gedacht. Die meisten Küchen öffneten frühestens um 19 Uhr, unser eigentlicher Favorit sogar erst um 19:30 Uhr.

Der Hunger trieb uns schließlich in ein Restaurant, das zwar recht gut bewertet war, aber hauptsächlich als Pizzeria auftrat. Und wenn wir schon in Matera waren, wollten wir natürlich nicht einfach nur irgendeine Pizza essen. Immerhin gab es gezapftes Bier aus eigener Brauung, und auf der Karte fanden wir doch noch eine lokale Vorspeise und einen gemischten Salat. Das reichte erst einmal, um den größten Hunger zu besänftigen.

Wäsche zwischen den Häusern von Matera
Aber auch hier wird gewaschen

Wie man hier noch 1956 lebte

So gestärkt ließen wir uns anschließend einfach durch die Gassen treiben und landeten schließlich bei der Casa Grotta di Vico Solitario. Diese ehemalige Höhlenwohnung wurde tatsächlich noch bis 1956 bewohnt. Danach wurde sie im Zuge der Räumung und Sanierung der Sassi aufgegeben.

Historische Höhlenwohnung Casa Grotta in Matera
In einem Höhlenhaus

Es war schon beeindruckend zu sehen, unter welchen Bedingungen Menschen hier noch vor gar nicht so langer Zeit lebten. Im Grunde bestand die Wohnung aus einem großen Raum mit mehreren Nischen. Schlafen, Kochen, Essen und Wohnen fanden praktisch im selben Raum statt. Weiter hinten befand sich der Bereich für Kuh, Maultier oder Pferd, daneben gab es weitere Nischen für Vorräte, Geräte und Stroh. Mensch und Tier lebten tatsächlich unter einem Dach – beziehungsweise unter demselben Felsen.

Historische Küche in einer Höhlenwohnung in Matera
Die Küche sieht für die damalige Zeit erstaunlich komplett aus

Direkt oberhalb wartete dann natürlich auch noch eine Felsenkirche auf uns. Santa Maria de Idris wurde direkt in den Felsen geschlagen und ist durch einen Gang mit der Felsenkrypta San Giovanni in Monterrone verbunden. Im Grunde besichtigt man damit zwei miteinander verbundene Sakralräume. Besonders spannend waren die Fresken, von denen einige trotz ihres hohen Alters erstaunlich gut erhalten sind.

Historische Freske in einer Felsenkirche von Matera
Eine Freske in der Felsenkirche

Auch hier wurde wieder deutlich, wie stark der christliche Glaube über Jahrhunderte zum alltäglichen Leben gehörte. Wohnräume, Ställe, Vorratskammern und Kirchen lagen in den Sassi teilweise nur wenige Schritte voneinander entfernt – alles direkt aus demselben Felsen herausgearbeitet.

Interessanterweise änderten manche dieser Felsenkirchen im Laufe der Jahrhunderte ihre Funktion völlig. Nachdem sie als Gotteshäuser aufgegeben worden waren, wurden einige beispielsweise zu Ölmühlen, Weinkellern oder einfachen Lagerräumen. Selbst ein Eiskeller, eine sogenannte Neviera, gehörte zu diesem unterirdischen System der Sassi.

Das Brot, das zu Matera gehört

Traditionelles Pane di Matera
Das typische Matera-Brot

Da unser eigentlich ausgesuchtes Restaurant erst um 19:30 Uhr öffnete, ließen wir uns Zeit und schlenderten langsam weiter durch die Gassen zu unserer zweiten Wahl, die schon um 19 Uhr öffnete. Und tatsächlich wurde dort bereits Essen serviert, als wir pünktlich ankamen. Unterwegs begegnete uns immer wieder dieses auffällig geformte Brot.

Das Pane di Matera gehört fest zur Geschichte der Stadt und ist heute als IGP geschützt. Es wird traditionell aus Hartweizengrieß, Sauerteig, Wasser und Salz hergestellt. Typisch sind die kräftige Kruste, die gelbliche, unregelmäßig gelöcherte Krume und die hohe, teilweise fast hornartige Form. Früher wurden die großen Laibe zu Hause vorbereitet und anschließend in Gemeinschaftsöfen gebacken. Damit die Brote der verschiedenen Familien nicht verwechselt wurden, kennzeichnete man sie sogar mit eigenen Brotstempeln. Die großen Laibe hielten sich mehrere Tage – wichtig für Bauern und Hirten, die lange draußen auf den Feldern unterwegs waren.

Pane di Matera mit Olivenöl und getrockneter Paprika
Unsere traditionelle Vorspeise: Matera-Brot, Olivenöl und getrocknete Paprika

Ein Abend mit der Küche der Basilikata

Unser Restaurant am Abend war letztendlich erstklassig. Diesmal hielten wir uns konsequent an die lokalen Gerichte. Als Vorspeise gab es Pane di Matera mit Olivenöl und getrockneter Paprika. Als Hauptspeise hatte ich eine Lammsuppe, Angela nahm die einheimischen Nudeln. Dazu bestellten wir einen Weißwein aus der Basilikata, der ebenfalls ausgesprochen gut war.

Als ich zum Abschluss nach einem Grappa fragte, erschien der Sommelier noch einmal persönlich und brachte uns gleich eine kleine Auswahl: neben einem Grappa auch einen Armagnac und einen Rum. Dass mir ausgerechnet in Italien jemand statt Grappa einen Rum empfiehlt, hatte ich nicht erwartet. Da ich Rum ohnehin gerne trinke, ließ ich mich überzeugen. Mit etwa 15 Euro war das Glas zwar nicht ganz billig, aber der Sommelier hatte seinen Job gut gemacht.

Auswahl aus Grappa, Armagnac und Rum zum Digestif
Digestif-Auswahl

Am Ende standen 125 Euro inklusive Trinkgeld auf der Rechnung. Nach den Preisen in Albanien war das natürlich erst einmal wieder eine andere Hausnummer. Trotzdem war es das Geld wert. Das Essen war hervorragend, der Service ausgezeichnet und die Atmosphäre mitten in der Altstadt von Matera passte perfekt dazu.

Die Sassi im Abendlicht

Satt und zufrieden gingen wir anschließend noch einmal zurück zu einem Aussichtspunkt, um die Sassi bei Abendlicht von oben zu sehen. Jetzt, mit den vielen kleinen Lichtern zwischen den Felsen und Häusern, wirkte die Stadt noch einmal völlig anders als am Nachmittag.

Abendstimmung über der Altstadt von Matera

Danach machten wir uns auf den Weg zurück zu unserer Unterkunft, um die Eindrücke dieses langen Tages erst einmal zu verarbeiten. Und dann warteten wieder unsere getrennten Betten auf uns. Das Hotel hatte bei der Buchung ursprünglich nur ein Zimmer mit Einzelbetten angeboten. Vor Ort hätte es plötzlich für zehn Euro Aufpreis doch eines mit Doppelbett gegeben. Dieses Spiel wollten wir nicht mitmachen.

Damit verbrachten wir nun schon die zweite Nacht hintereinander in getrennten Betten – denn auch auf der Fähre hatte unsere Kabine nur Einzelbetten. Aber wir werden es überleben müssen.