
Seeigel vor Vrhovnjak
Letzten Mittwoch hatte Stipe einen kleinen Ausflug organisiert: Zusammen mit einem Großcousin, dessen Frau und deren Boot ging es zum Seeigelessen auf den kleinen Otok Vrhovnjak direkt gegenüber von Prižba.
Rund um Korčula begegnet man vor allem zwei Seeigelarten, die auf den ersten Blick recht ähnlich wirken. Gesammelt wird hier hauptsächlich der essbare Stein- oder Purpurseeigel Paracentrotus lividus. Seine Farbe kann von Grün über Braun und Rot bis zu einem sehr dunklen Violett reichen. Typisch ist, dass er sich mit kleinen Steinen, Muschelschalen, Seegras und Algenresten bedeckt. Was wie Tarnung aussieht, dient vermutlich auch als Schutz vor Licht und Fressfeinden.
Die gleichmäßig tiefschwarzen Seeigel, Arbacia lixula, lassen dagegen meist nichts auf ihren Stacheln liegen und gelten kulinarisch als wenig interessant. Die alte Geschichte, dass die geschmückten Seeigel Weibchen und die schwarzen Männchen seien, stimmt allerdings nicht: Bei beiden Arten gibt es männliche und weibliche Tiere, die sich von außen kaum unterscheiden lassen. Für die Einheimischen bleibt die praktische Regel trotzdem einfach: Gegessen werden die, die sich schick machen.
Wir zogen mit einer großen Styroporkiste los, die sich erstaunlich schnell füllte. Mit etwas Vorsicht kann man die Seeigel sogar mit der bloßen Hand anfassen, angenehmer sind aber Gartenhandschuhe. Am einfachsten löst man sie zunächst mit einem Messer vom Felsen und legt sie dann vorsichtig in die Kiste.
Zum Öffnen werden die Seeigel in zwei Hälften geschnitten – ebenfalls möglichst vorsichtig, denn die Stacheln bleiben hartnäckig. Anschließend wird das Innere behutsam ausgespült. Übrig bleiben fünf sternförmig angeordnete, fleischige Streifen. Dabei handelt es sich um die Gonaden der Seeigel, also je nach Geschlecht um Eierstöcke oder Hoden. In der Küche werden sie meist ganz allgemein als Seeigelrogen oder unter dem japanischen Namen Uni bezeichnet.

Im Internet kursieren viele Vorschläge, Seeigel mit Olivenöl, Zitrone oder anderen Zutaten zu essen. Mir schmeckten sie allerdings direkt aus der Schale am besten. Die Konsistenz ist fest und gleichzeitig cremig, der Geschmack eher süßlich und überhaupt nicht fischig oder salzig, wie man es vielleicht von Austern oder Muscheln erwarten würde. Interessanterweise schmeckte fast jeder Seeigel ein wenig anders.
Insgesamt wirklich lecker – allerdings muss man eine ganze Menge davon öffnen, wenn man satt werden möchte. Am besten schmeckten sie mit frischem Brot und natürlich mit dem passenden Wein. Zu den gerade erst geöffneten Seeigeln passte Stipes Pošip hervorragend. Nachdem sie eine Weile offen gelegen hatten und etwas kräftiger schmeckten, gefiel uns sein Plavac Mali tatsächlich noch besser. Glücklicherweise hatte Stipe vorsorglich beides mitgebracht.

Endlich ein erster Plan
Kaum hatte ich letzte Woche bei Freunden erwähnt, dass ich mich langsam frage, wann sich unsere Architektin wohl wieder melden würde und ob wir uns nicht doch nach jemand anderem umsehen sollten, kam kurz darauf tatsächlich eine WhatsApp-Nachricht von ihr. Sie wolle am Freitag vorbeikommen und habe Neuigkeiten. Auf meine vorsichtige Nachfrage, ob es gute oder schlechte Neuigkeiten seien, antwortete sie allerdings nicht mehr.
Am Freitag hielten wir dann endlich den ersten richtigen Plan unseres Grundstücks in der Hand – vor allem mit sauber eingezeichneten Höhenlinien. Bisher hatte ich das Gefälle immer nur mit dem Handy und einem Winkelmesser grob geschätzt. Nun sehen wir erstmals schwarz auf weiß, wie stark das Grundstück tatsächlich abfällt, wie groß die einzelnen Terrassenebenen sind und welche Höhenunterschiede zwischen ihnen liegen.
Die gute Nachricht ist also: Wir haben endlich eine verlässliche Grundlage für die weitere Planung. Die schlechte Nachricht: Den bestehenden Kutak können wir nach den derzeitigen Regeln offenbar nicht legalisieren, weil er zu nah an der Straße gebaut wurde. Ein Gebäude darf an dieser Stelle heute nicht mehr so dicht an der Verkehrsfläche stehen.
Vermutlich werden wir das Grundstück deshalb in drei Teile aufteilen müssen. Der Kutak würde auf einem eigenen Grundstücksteil verbleiben, während die beiden anderen Teile für unser eigentliches Projekt genutzt werden könnten. Bevor wir mit der Detailplanung beginnen, müssen allerdings noch einige Fragen geklärt werden.
Unter anderem ist offen, wie die Zufahrt zum unteren Grundstück rechtlich gestaltet werden muss: Kann sie privat bleiben, gemeinsam genutzt werden oder muss sie als öffentliche Verkehrsfläche ausgewiesen sein? Außerdem muss geklärt werden, ob auch das untere Grundstück auf einer Breite von mindestens zwölf Metern direkt an eine Verkehrsfläche angrenzen muss. Dafür gibt es zwar Regeln, aber offenbar keine vollkommen eindeutige Antwort für unsere spezielle Grundstückssituation.
Unsere Architektin will diese Fragen nun zunächst mit den zuständigen Stellen klären. Erst danach können wir wirklich entscheiden, wie die Gebäude auf den beiden Grundstücksteilen angeordnet werden können. Es ist also noch längst kein fertiger Bauplan – aber immerhin endlich ein erster Entwurf und damit wesentlich mehr als die groben Skizzen und Messungen, mit denen wir bisher gearbeitet haben.

Eine Bühne schwimmt in die Bucht
Als am Freitagnachmittag ein großer Schlepper in die Bucht von Vela Luka einfuhr, staunten wir zunächst nicht schlecht. Solche Schiffe erwartet man eher im Hamburger Hafen oder vielleicht in Ploče oder Rijeka. Selbst in Split gehören Schlepper dieser Größe nicht unbedingt zum alltäglichen Bild. Zu allem Überfluss zog er auch noch einen riesigen Ponton hinter sich her.
Dann fiel uns ein, was in den nächsten Tagen bevorstand: Rund um den Todestag von Oliver Dragojević finden in Vela Luka wieder die Konzerte von „Trag u beskraju“ statt. Dafür wird jedes Jahr eine große schwimmende Bühne in der Bucht aufgebaut. Der unscheinbare Ponton sollte sich also innerhalb weniger Tage in eine komplette Konzertbühne verwandeln.
Am Freitagabend fuhren wir mit den Fahrrädern noch einmal nach Vela Luka zum Fischerabend. Wie so oft begann die Veranstaltung allerdings nicht wie angekündigt um acht, sondern erst gegen neun Uhr. Als wir schließlich um die Ecke kamen, war die Schlange vor der Essensausgabe bereits so lang, dass wir uns kurzerhand für ein Restaurant entschieden. Fischerabend ohne Fisch – zumindest für uns.

Als wir am Samstagvormittag zum Einkaufen wieder in Vela Luka waren, konnte man die Bühne bereits deutlich erkennen. Überall wurde gearbeitet, Material angeliefert und die Technik vorbereitet. Innerhalb weniger Stunden hatte sich der kahle Ponton sichtbar verändert.

Peka bei ordentlich Wind
Am Vortag hatten wir reichlich Gemüse, Lamm und sogar ein ganzes Huhn eingekauft. Unsere Freunde kamen am Sonntagnachmittag, und eigentlich war alles für einen dieser langen, entspannten Fjaka-Nachmittage vorbereitet, an denen niemand genau auf die Uhr schaut und die Peka eben fertig ist, wenn sie fertig ist.
Nur das Wetter spielte nicht ganz so entspannt mit. Der Wind blies ziemlich kräftig durch die Bucht und machte es draußen zeitweise etwas ungemütlich. Der Stimmung und der Peka konnte er am Ende trotzdem nichts anhaben.

Mit dem MG nach Split
Am Montagmorgen ging es schon früh mit unserem MG nach Split. Er soll während unserer Zeit in Deutschland beim MG-Händler in Trogir bleiben. Neben dem ohnehin anstehenden Service sollen dort endlich der lange erwartete Frontsensor eingebaut und der Unfallschaden repariert werden.
Schon auf der Hinfahrt wunderten wir uns, warum die große Jadrolinija-Fähre Marko Polo fuhr. Dann erfuhren wir, dass am Vorabend die diesjährige Veranstaltungsreihe „Trag u beskraju“ mit einer Fahrt der Marko Polo von Split nach Vela Luka begonnen hatte. Musiker und Oliver-Fans hatten bereits an Bord gefeiert. Später liefen auf den Bildschirmen der Fähre noch Aufnahmen von der offenbar ziemlich großen Party. Die eigentlichen großen Konzerte in Vela Luka sollen am Mittwoch folgen.
In Split machten wir nur kurz bei Bauhaus Halt, um eine Fehlbestellung zurückzugeben. Erstaunlicherweise wurde sie auch nach zweieinhalb Monaten noch vollkommen anstandslos zurückgenommen. Danach fuhren wir direkt weiter zum MG-Händler nach Trogir. Die Übergabe war schnell erledigt, sodass wir gegen ein Uhr schon wieder zurück in Split waren.
Online konnten wir keine Rückfahrkarten mehr kaufen, weil angeblich alles ausgebucht war. Am Schalter bekamen wir dann aber doch noch zwei Tickets für den Katamaran um drei Uhr. Gegen fünf waren wir wieder in Vela Luka, wo unser Mini bereits am Hafen auf uns wartete. Wenig später waren wir zurück am Kutak – und hatten den kompletten Ausflug nach Split tatsächlich an einem Tag geschafft.

Serenade in den Gassen von Smokvica
Am Montagabend waren wir bereits zum zweiten Mal bei einem klassischen Konzert in Smokvica. Die „Serenada u Smokvici“ fand in Maločića dvori statt, einem kleinen Innenhof zwischen den engen Gassen und alten Steinhäusern des Ortes. Ob man diesen Teil nun Altstadt nennen möchte oder nicht – als Kulisse für ein Konzert funktioniert er hervorragend.
Auf der kleinen Bühne standen die aus Smokvica stammende Sopranistin Marija Salečić und die Pianistin Petra Akrap. Marija hat ihr Gesangsstudium an der Musikakademie in Zagreb abgeschlossen, war bereits in einer Hauptrolle am Kroatischen Nationaltheater in Zagreb zu erleben und gehört seit Anfang 2026 zum Chor des Kroatischen Rundfunks und Fernsehens. Für Smokvica war es also tatsächlich ein kleines Heimspiel auf internationalem Niveau.
Gemeinsam führten uns die beiden mit Arien, Liedern und Klavierstücken kurzweilig durch den klassischen Abend. Auch für Menschen, die sich mit Opern, Komponisten und musikalischen Fachbegriffen nicht besonders gut auskennen, war das Programm abwechslungsreich und angenehm zugänglich.
Für eine ganz eigene Ergänzung sorgte die kleine Tochter der Sopranistin. Im vergangenen Jahr war sie noch auf dem Arm durch den Innenhof getragen worden. Dieses Mal sprang sie bereits selbstbewusst rund um die Bühne herum und stimmte in den Pausen – gelegentlich auch mitten im Programm – lautstark den Refrain „Heiho, heiho, heute sind wir wieder froh“ aus ihrer ganz persönlichen Dschungelbuch-Version an. Die nächste Generation aus Smokvica scheint also ebenfalls früh mit ihrer musikalischen Ausbildung zu beginnen.

Noch ein bisschen mehr Stauraum
Auch beim Dauerthema Lagerplatz sind wir wieder ein kleines Stück weitergekommen. Hinter dem hohen Stahlschrank war noch etwas ungenutzter Raum, den ich bisher kaum beachtet hatte. Zufällig entdeckte ich bei vidaXL eine schmale Holzkommode, die von den Maßen her genau dorthin passte und sich auch ganz gut in unseren rustikalen Holzstil einfügt.
Also wurde sie bestellt, geliefert und zusammengebaut. Nun gibt es wieder ein paar Schubladen und Fächer mehr, in denen Werkzeug, Kleinteile und all die Dinge verschwinden können, die sich am Kutak auf wundersame Weise ständig vermehren. Zumindest vorübergehend sieht es dadurch wieder ein wenig ordentlicher aus.
Mal sehen, wie viel von dem neuen Stauraum Angela für ihre Küchenutensilien beanspruchen wird.



