
Am Donnerstagmorgen ging es früh los. Eigentlich wollten wir schon um 6 Uhr starten, letztendlich wurde es dann doch 6:30 Uhr. Zu kompliziert war das Tetris-Spiel, mit dem wir Koffer und Taschen im Mini verstauen mussten. Die entscheidende Frage war: Sitze umklappen oder einen Teil des Gepäcks auf die Rücksitze legen? Letztendlich entschied ich mich für Letzteres. Zum Glück waren wir aus Mikulina Luka schnell auf der Landstraße und erreichten noch rechtzeitig die Fähre nach Orebić.
Auf dem Weg über die Insel kamen wir noch einmal an den Abschnitten vorbei, die bei dem großen Feuer vor etwa zwei Wochen zwischen Blato und Mala Kapja verbrannt waren. Es roch weiterhin nach Rauch und verkohltem Holz. Besonders schockierend und beängstigend war das Skelett eines ausgebrannten Lkw, der offenbar nicht mehr rechtzeitig von einem Parkplatz weggefahren werden konnte. Dieser Anblick machte noch einmal deutlich, welche Gewalt ein großer Waldbrand entwickeln kann.

Auf der Fähre waren wir dann erst einmal froh, dass das Timing des Tages geklappt hatte, und der Anblick der verbrannten Landschaft rückte langsam wieder in den Hintergrund. In Orebić holten wir noch einmal Euro am Geldautomaten und peilten anschließend geradewegs unser erstes Zwischenziel Trebinje an. Denn Umwege erweitern bekanntlich die Ortskenntnisse.
Durch die neue Schnellstraße von Ploče in Richtung Dubrovnik hat sich die Verkehrsführung bei Ston verändert. Ich traute der Navigation zunächst nicht ganz und folgte stattdessen dem Schild nach Doli. Das stellte sich allerdings als Fehler heraus. Google reagierte sofort und zeigte uns eine neue Route über einen sehr idyllischen Pass.
Die Straße war schon ziemlich reparaturbedürftig, aber immerhin noch für den Mini geeignet. Sie wurde jedoch immer schmaler – bis wir tatsächlich an eine Stelle kamen, an der sie einfach aufhörte. Vor uns standen Baustellenfahrzeuge, auf deren Ladeflächen Moniereisen lagen, und es war eindeutig zu erkennen, dass die Straße hier erst noch weitergebaut wurde.
Also blieb uns nur die klassische Lösung nach einer typischen Google-Navigation: umkehren, zum Ausgangspunkt zurückfahren und dort die ursprüngliche Route wieder aufnehmen. Letztendlich waren es aber nur etwa drei Kilometer Umweg.
Nachdem wir bei Doli, einem kleinen Dorf hinter Ston, auf die erste Passstraße abgebogen waren, entdeckten wir merkwürdige Flecken auf dem Asphalt. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus: Das war Kuhdung. Kurz darauf begrüßten uns dann tatsächlich die ersten Tiere unserer Reise – noch vor der Grenze nach Bosnien und Herzegowina.

Schon hier veränderte sich die Landschaft deutlich. Sie wurde trockener, steiniger und karger. Bei manchen Hängen fragten wir uns, wie die Tiere dort überhaupt genügend Futter finden konnten.
An der Grenze wurden wir wieder etwas länger aufgehalten. Noch immer waren meine längst erledigten Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen auf Korčula nicht aus dem System entfernt worden. Nach einer kurzen Wartezeit ließ uns der kroatische Grenzbeamte dann aber weiterfahren.
Hinter der Grenze begann das inzwischen ebenfalls typische Problem mit der eSIM, die sich nicht in das neue Mobilfunknetz einbuchen wollte. Wir verbrachten kurz hinter dem Grenzübergang bestimmt noch einmal zehn Minuten damit, das Handy ein- und auszuschalten und zwischen den Netzen umzuschalten, bis wir endlich wieder eine Internetverbindung für die Navigation hatten.
Die Natur wechselte auf diesem Abschnitt innerhalb weniger Kilometer immer wieder ihr Gesicht. Direkt hinter dem Grenzübergang führte die Straße zunächst weiter durch eine felsige und beinahe kahle Karstlandschaft. Nach und nach tauchten wieder mehr Bäume und Büsche auf, die Hügel wurden grüner und zwischen ihnen öffneten sich breite Täler. Über eine kleine Nebenstraße erreichten wir schließlich wieder die Hauptstraße zwischen Neum und Trebinje. Je näher wir Trebinje kamen, desto weiter wurde das Tal und desto mediterraner wirkte die Umgebung wieder.
Für unser Mittagessen waren wir noch immer etwas zu früh. Also nutzten wir die Zeit und sahen uns zunächst die Altstadt von Trebinje an.
Trebinje liegt am Fluss Trebišnjica und wird gerne als Stadt der Sonne, des Weins und der Platanen bezeichnet. Tatsächlich prägen die riesigen alten Bäume das Zentrum und sorgen rund um den Marktplatz für angenehm kühlen Schatten. Zwischen den Platanen, kleinen Cafés, Marktständen und den Gassen der befestigten Altstadt Kastel herrschte trotz der sommerlichen Hitze eine entspannte Atmosphäre. Für einen längeren Stadtbummel war es uns zwar zu warm, aber für eine kleine Runde und eine Pause im Schatten war Trebinje genau richtig.

Unser Mittagessen hatten wir anschließend im Restaurant Studenac, in dem wir bereits im vergangenen Jahr auf der Rückreise aus Rumänien Halt gemacht hatten. Wieder gab es eine sehr leckere frische Forelle, und wir saßen wunderschön im kühlen Grün direkt an der Trebišnjica. Der Fluss und die kleinen Wasserflächen rund um die Terrasse sorgten für eine herrlich erfrischende Atmosphäre.

Hier tankten wir auch ein letztes Mal. Die Unterschiede bei den Benzinpreisen zwischen Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Albanien waren doch erheblich – in Albanien kostete der Liter teilweise bis zu 40 Cent mehr. Außerdem entschieden wir uns schweren Herzens, das Dach des Cabrios zu schließen. Die Temperatur war inzwischen auf bis zu 37 Grad gestiegen, und selbst mit Fahrtwind wurde es einfach zu heiß.
Nach dem Mittagessen führte die Straße zunächst weiter durch eine weite Ebene, bevor sie sich erneut zu einem Pass hinaufschlängelte. Hinter dem Grenzübergang nach Montenegro ging es auf einer langen Passstraße wieder hinunter. Dabei hatten wir einen schönen Blick auf einen Stausee und auf Nikšić, die Stadt, in der das bekannte Nikšićko-Bier gebraut wird.
Ein Zwischenstopp lohnte sich für uns diesmal nicht, zumal die Brauerei nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden kann. Also fuhren wir weiter durch das Tal, das stellenweise deutlich industrieller geprägt war, bis in Richtung Podgorica.
Kurz danach führte eine kleinere Passstraße wieder hinauf zu dem neuen Grenzübergang zwischen Montenegro und Albanien. Einen Teil der Strecke begleitete uns die Cijevna, die auf albanischer Seite Cem oder Cemi heißt. An vielen Stellen standen Autos am Straßenrand, und unten am Fluss schwammen Menschen oder genossen einfach die Abkühlung im klaren Wasser. Bei den Temperaturen konnten wir das gut verstehen.
Ursprünglich wollten wir über die Tiefebene und ein anderes Tal nach Albanien einreisen. Diese Route hätte den Vorteil gehabt, dass wir noch durch eine größere Stadt gekommen wären und dort an einem Geldautomaten die ersten albanischen Lek hätten abheben können.
Aber auch diesmal folgten wir schließlich der Google-Navigation. Die kannte bereits den neuen und deutlich kleineren Grenzübergang Cijevna–Grabom und führte uns auf diesem landschaftlich sehr viel schöneren Weg nach Albanien.

Um trotzdem den geplanten Aussichtspunkt zu erreichen, fuhren wir kurz hinter der Grenze noch einmal ein kleines Stück entgegen unserer eigentlichen Route. Der Umweg zum Aussichtspunkt Leqet e Hotit lohnte sich in jedem Fall. Von dort hatten wir einen beeindruckenden Blick hinunter in das Cemi-Tal und auf die unzähligen Kurven der Straße.

Bei diesem Anblick fühlten wir uns immer wieder an unseren Urlaub in Amerika und an den Grand Canyon erinnert. Nur die Farbe des Gesteins war eindeutig anders: viel heller und weniger rot als in Amerika. Dennoch wirkten die Dimensionen und die tief eingeschnittenen Täler ähnlich gewaltig.

Als nächster Zwischenstopp war eigentlich eine Kaffeepause in Tamarë vorgesehen. Inzwischen war es jedoch schon recht spät, und wir wollten endlich ankommen. Der Ort selbst ist überschaubar, wirkte bei der Durchfahrt mit seinen Cafés und den Häusern entlang des Flusses aber durchaus einladend. Diesmal fuhren wir trotzdem weiter.

Gegen 17 Uhr waren es zwar noch immer etwa 31 Grad, aber inzwischen fuhren wir durch ein tief eingeschnittenes Tal und lagen die meiste Zeit im Schatten. Endlich konnten wir das Dach wieder öffnen. Fast drei Stunden lang waren wir zuvor geschlossen gefahren, weil es schlicht zu heiß gewesen war und wir froh waren, in der Klimaanlage zu sitzen.

Langsam schraubten wir uns immer höher in Richtung Pass und Hochebene. Je höher wir kamen, desto karger und unwirklicher wurde die Landschaft. Weiter oben an den Berghängen waren noch Grasflächen und grüne Stellen zu erkennen, während die tieferen, felsigen Bereiche teilweise beinahe lebensfeindlich wirkten.

Umso überraschender war es, dass weiterhin überall Kühe und Schafe auf oder unmittelbar neben der Straße standen. In vielen Kurven kamen uns ganze Herden entgegen. Entsprechend vorsichtig mussten wir fahren, denn hinter jeder unübersichtlichen Kurve konnte plötzlich ein Tier mitten auf der Fahrbahn stehen.

Lëpushë ist weniger ein geschlossener Ort als vielmehr eine weitläufige Siedlung auf einer Hochebene in der Region Kelmend. Zwischen Wiesen, Waldstücken und den hohen Gipfeln der Albanischen Alpen verteilen sich einige Häuser, Gästehäuser, kleine Hotels und Restaurants. Einen klassischen Ortskern gibt es nicht, und selbst den kleinen Minimarkt hatten wir bei unserer Ankunft noch nicht entdeckt.
Im Sommer ist Lëpushë vor allem ein Ausgangspunkt für Wanderungen und Bergtouren. Im Winter kommen Besucher zum Schneeschuhwandern und für Skitouren hierher. Ein klassisches Skigebiet mit präparierten Pisten und Liften ist es jedoch nicht – dafür gibt es viel Ruhe und weitgehend unberührte Berglandschaft.
Auch das Auffinden unserer Unterkunft war etwas schwierig, denn die eigentliche Abfahrt von der Hauptstraße war kaum als solche zu erkennen. Zunächst bogen wir zu früh ab, beim nächsten Versuch fuhren wir daran vorbei. Der richtige Weg war ein Schotterweg, der auf den ersten Blick lediglich zu einer Scheune zu führen schien.
Nach einem Knick nach links folgte eine völlig ausgewaschene Kiespiste, die schließlich zum Guesthouse Alpini führte. Dort erwartete uns eine wunderschöne Anlage mit viel Grün, Tieren ringsherum und einer großartigen Aussicht über das Tal von Lëpushë.
Bei unserer Ankunft gerieten wir genau noch in die letzten Renovierungsarbeiten und befürchteten zunächst das Schlimmste: Waren wir etwa auf einer Baustelle gelandet? Letztendlich brachten die Handwerker jedoch nur noch auf albanische Art eine letzte Planke auf dem frisch renovierten Dach des alten Stammhauses an. Danach waren sie relativ schnell verschwunden, und es kehrte eine himmlische Ruhe ein.

Überhaupt lud der Platz sofort zum Verweilen ein. Über das Gelände verteilt gab es viele gemütliche Sitz- und Ruheplätze, schattige Ecken und immer wieder einen schönen Blick hinunter in das Tal.

Auch hier ließ uns der Anblick der Tiere nicht los. Begrüßt wurden wir von einem großen Haushund, der wie eine Mischung aus Schäferhund und Bernhardiner wirkte. Er lag vollkommen ruhig und entspannt in einer Ecke und beobachtete das Geschehen. Vor den Häusern und auf den Wiesen zogen derweil immer wieder Schafe an uns vorbei.

Nach einem ersten kühlen Bier und etwas Zeit zum Ankommen saßen wir vor einer beeindruckenden Bergkulisse, die uns spontan an den Rosengarten in Südtirol erinnerte. Vor einigen Jahren waren wir dort zum Skifahren und hatten vom Hotelpool aus einen ähnlich eindrucksvollen Blick auf die Dolomiten. Auch hier konnten wir die Augen kaum von den Bergen lösen. Einfach beeindruckend.
Später bekamen wir ein ausgesprochen leckeres Abendessen. Für Angela gab es mit Reis gefüllte Paprika, für mich gekochtes Lamm. Dazu wurden Brot, Ofenkartoffeln und ein gemischter Salat serviert. Fast alles stammte aus eigener oder zumindest heimischer Produktion – und das schmeckte man auch. Selbst das Olivenöl stand diesmal direkt auf dem Tisch und musste nicht erst extra verlangt werden.

Dazu gab es einen leckeren Rotwein aus der einheimischen Rebsorte Shesh i Zi. Der Hausherr kauft die Trauben im Tal und verarbeitet sie hier am Hof selbst. Überhaupt scheint neben dem Gästehaus weiterhin ein regulärer landwirtschaftlicher Betrieb zu bestehen. Gleichzeitig gibt es inzwischen erstaunlich viele Angestellte, darunter auch Mitarbeitende von den Philippinen.

Inzwischen war es deutlich abgekühlt, auf ungefähr 20 Grad. Da ein Teil unserer langen Kleidung noch im Koffer lag, nahmen wir den letzten Schluck Wein mit auf unser Zimmer und zogen uns langsam zurück.
Fast zur gleichen Zeit wurden auch die Schafe vom Schäfer nach Hause getrieben. So endete ein langer Tag mit vier Ländern, drei Grenzübergängen, zahlreichen Passstraßen und vielen neuen Eindrücken – ruhig und angenehm kühl in den Albanischen Alpen.



