Ein Wochenende in der Pfalz

Der erste Stopp in Deutschland war Neustadt an der Weinstraße. Nachdem wir am Samstag erst tief in der Nacht beziehungsweise früh am Morgen angekommen waren, blieb an diesem Tag nicht mehr viel Zeit für die Stadt. Also erst einmal lange ausschlafen und anschließend gemütlich brunchen. Dafür wurde am Abend in der Sektkellerei von Freunden ein 60. und ein 61. Geburtstag gefeiert – zusammen also stolze 121 Jahre. Es wurde eine schöne, bunte Runde mit viel Musik, Tanz und angeregten Gesprächen.
Am Sonntag holten wir den Stadtbummel nach. Neustadt liegt mitten im Herzen der Deutschen Weinstraße und hat eine wirklich wunderschöne Altstadt. Rund um den historischen Marktplatz stehen Fachwerkhäuser, kleine Restaurants und Weinstuben, darüber ragen die beiden Türme der gotischen Stiftskirche. Dazwischen enge Gassen, alte Häuser und überall merkt man natürlich, dass hier der Wein eine ziemlich zentrale Rolle spielt. Eine dieser Städte, bei denen man eigentlich gar kein bestimmtes Ziel braucht, sondern einfach ein bisschen herumlaufen kann.
Auf den Spuren der Demokratie
Danach ging es hinauf zum Hambacher Schloss. Die ehemalige Burg oberhalb von Neustadt ist vor allem wegen des Hambacher Festes von 1832 bekannt. Damals zogen Zehntausende Menschen hinauf auf den Schlossberg und forderten politische Freiheitsrechte, Pressefreiheit und ein geeintes Deutschland. Deshalb gilt das Hambacher Schloss heute als eine der wichtigsten Stätten der deutschen Demokratiegeschichte. Ganz nebenbei hat man von dort oben natürlich auch einen großartigen Blick über die Weinberge und die Rheinebene.
Im Anschluss landeten wir mit den verbliebenen Gästen noch bei einem Weinfest in einem der umliegenden Dörfer. Und dort entdeckte ich etwas, das bei mir sofort einen gewissen Neidfaktor auslöste: einen Traubenvollernter. Das Gerät fährt über die Rebzeilen hinweg, schüttelt die einzelnen Beeren von den Reben und sammelt sie direkt ein. Blätter und andere Pflanzenteile werden dabei weitgehend wieder aussortiert. Im Prinzip fährt hinten also schon das Erntegut heraus, für das wir auf Korčula etliche Arbeitsschritte brauchen.

Wenn ich dagegen an unsere Weinlese auf Korčula denke, denke ich vor allem an meine Rückenschmerzen: unter die niedrigen Reben bücken, auch die letzten Trauben abschneiden, alles in Kisten packen, die Kisten mit der Schubkarre zum Traktor bringen und erst zu Hause geht es mit der Verarbeitung weiter. Hier erledigt ein einziges Gerät einen großen Teil dieser Arbeit. Man muss allerdings auch die passende Landschaft und entsprechend angelegte Weinberge dafür haben – und daran scheitert es bei uns ziemlich eindeutig.
Äppelwoi in Frankfurt, Brotzeit in München
Danach machten wir noch einmal Halt in Frankfurt und besuchten Freunde. Während Angela die Gelegenheit nutzte, sich ausgiebig mit ihnen auszutauschen, hatte ich noch drei berufliche Termine. Den Abend verbrachten wir dann aber wieder gemeinsam – bei gutem Äppelwoi und natürlich Grüner Soße. Schließlich muss man auch in Frankfurt die regionalen Spezialitäten entsprechend würdigen.
Am Dienstagabend erreichten wir schließlich München und Angelas Mutter. Bereits am nächsten Tag trafen wir weitere Freunde – und damit gab es endlich auch die erste ordentliche bayerische Brotzeit: Obatzda mit Brezel und dazu eine frische Makrele.

Die Tage in München nutzten wir natürlich vor allem, um Freunde zu sehen, aber auch für die Arzt- und Zahnarzttermine, die wir bei unseren Deutschlandbesuchen immer irgendwie unterbringen müssen. Am Donnerstag stand ein weiterer Biergartenbesuch auf dem Programm – inklusive Schweinshaxe – und vorher eine größere Zahnbehandlung. Leider ist bei mir inzwischen schon wieder eine Füllung herausgefallen. Aber deshalb fliege ich bestimmt nicht schon wieder nach Deutschland. Dann wird es eben Zeit, mir auch in Vela Luka einen Zahnarzt zu suchen.

Nach 5.500 Kilometern: Abschied vom Mini
Am Freitag hieß es dann tatsächlich Abschied nehmen vom Mini. Rund 5.500 Kilometer hatte er uns noch einmal treu durch Albanien, Italien und Deutschland gebracht – über Autobahnen, Pässe, Schlaglöcher, Schotterpisten und teilweise Wege, auf denen ein Mini eigentlich eher nichts verloren hat.

Ganz ohne Wehmut war die Rückgabe natürlich nicht. Das Cabriofahren wird uns fehlen. Auf der anderen Seite merkt man inzwischen deutlich, dass das Auto technisch in die Jahre gekommen ist. Die Elektronik, vor allem die Integration des Handys, funktioniert nur mäßig, der Verbrauch ist nicht mehr wirklich zeitgemäß und auch beim Antrieb sind wir inzwischen anderes gewohnt. Solange es ein für uns passendes Mini Cabrio nicht elektrisch gibt, wird deshalb wohl erst einmal kein neuer Mini bei uns einziehen.
Die Rückgabe verlief fast so, wie wir es erwartet hatten – nur die erste Schadensaufstellung war beeindruckend. Insgesamt wurden zunächst Schäden von rund 15.000 Euro festgestellt. Nach entsprechender Bewertung blieben davon immer noch rund 9.000 Euro im Raum. Das erschien uns bei einem Leasingfahrzeug, das schließlich kein Neuwagen mehr ist, ziemlich absurd.
Dass wir nicht ganz schadlos aus der Sache herauskommen würden, war uns allerdings klar. Wir waren mit dem Mini wirklich über Stock und Stein gefahren, am Unterboden gab es Spuren, einige Kunststoffteile hatten bei seiner gelegentlichen Zweitkarriere als Einkaufswagen gelitten und auch an den Türen waren ein paar Dellen und Kratzer dazugekommen. Ich selbst hatte deshalb mit etwa 3.000 bis 4.000 Euro gerechnet.
Als ich den Vertreter schließlich fragte, was denn sein letztes Wort sei, sagte er ohne großes Zögern: 3.000 Euro. Da das ziemlich genau meiner eigenen Einschätzung entsprach, haben wir uns darauf geeinigt. Weil das so schnell ging, fragt man sich natürlich hinterher automatisch, ob man nicht doch noch hätte handeln sollen. Aber letztendlich war dieser Betrag von uns ohnehin einkalkuliert. In der Schlussrechnung kamen dann noch ganze 33 Euro für rund 1.000 Mehrkilometer dazu – und damit war das Kapitel Mini tatsächlich beendet.
Schäufele und Rauchbier in Bamberg
Da die Begutachtung deutlich länger als die angekündigten anderthalb Stunden gedauert hatte, war es inzwischen später Nachmittag. Trotzdem wollten wir die Gelegenheit nutzen und zumindest noch einen ersten Eindruck von Bamberg bekommen. Und etwas essen mussten wir schließlich auch.

Also ging es in die Altstadt und natürlich in eine der berühmten Bamberger Rauchbierbrauereien. Dort habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Schäufele gegessen – und das war ausgezeichnet. Beim Rauchbier fiel mein Urteil etwas zurückhaltender aus.
Seinen besonderen Geschmack bekommt das traditionelle Bamberger Rauchbier vom Malz. Dieses wird beim Darren über einem Holzfeuer getrocknet, wodurch der Rauch direkt in das Malz zieht. Beim klassischen Verfahren wird dafür Buchenholz verwendet. Das Ergebnis schmeckt entsprechend deutlich rauchig – ein bisschen so, als hätte jemand Räucherschinken in ein Bier verwandelt. Interessant und definitiv etwas, das man in Bamberg einmal probiert haben sollte. Mein Lieblingsbier wird es trotzdem nicht.
Gepäck-Tetris und ein letzter Biergarten
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen des Packens. Tetris für Fortgeschrittene. Auch wenn in einen Mini bekanntlich nicht besonders viel hineinpasst, ist es erstaunlich, wie viel Zeug sich nach einigen Wochen darin angesammelt hat. Dazu kamen die Souvenirs der Reise und einige Bestellungen, die wir extra nach Deutschland hatten liefern lassen.
Jetzt musste alles so in Koffer und einen zusätzlichen Karton verteilt werden, dass es flugtauglich war und vor allem das aufgegebene Gepäck innerhalb der erlaubten insgesamt 46 Kilogramm blieb. Nach Packen, Umpacken, Wiegen, erneutem Umpacken und anschließend dringend notwendigem Duschen war der Tag dann auch fast vorbei.
Am Abend trafen wir noch einmal Freunde im Biergarten. Diesmal ließen wir Bier und Wein irgendwann sein und beendeten den Abend bei guten Gesprächen mit Aperol Spritz.

Die Karawane zieht weiter – diesmal ohne Mini
Am Sonntag zog die Karawane dann sehr früh Richtung Flughafen weiter. Ausgerechnet an diesem Tag gab es auch noch Schienenersatzverkehr, sodass wir vorsichtshalber deutlich früher aufbrachen. Schließlich hatten wir neben unserem normalen Gepäck auch noch Spezialgepäck aufzugeben.

Am Flughafen lief dann aber alles überraschend reibungslos. Lediglich eine Jeans musste Angela wieder aus ihrem Koffer herausnehmen, damit er exakt unter die erlaubten 23 Kilogramm kam. Meinen großen Handgepäckrucksack, der deutlich über neun Kilogramm wog, hatte ich vorsichtshalber etwas unauffällig auf einem Gepäckwagen abgestellt. So interessierte sich weder beim Einchecken noch später jemand besonders für dessen Gewicht.
Am Ende waren wir gute zwei Stunden vor Abflug hinter der Sicherheitskontrolle. Genügend Zeit also für ein letztes ausgiebiges Weißwurstfrühstück.

Zurück in Kroatien – aber noch nicht ganz zu Hause
Letztendlich haben wir Menschen, Koffer, Karton und Spezialgepäck vollständig wieder nach Kroatien gebracht. Nur unser MG war auch nach fünf Wochen noch immer nicht fertig in der Werkstatt. Also musste uns zunächst der Miet-Hybrid weiter Richtung Heimat bringen – mangels geladener Batterie eben erst einmal mit Benzin.
Am Sonntagabend schauten wir noch bei Stipe und Nataša vorbei, um uns zurückzumelden. Nach den schwierigen Wochen war es uns wichtig, Stipe auch persönlich wiederzusehen. Mehr möchte ich über seine gesundheitliche Situation hier gar nicht schreiben – manches gehört einfach nicht in einen öffentlichen Blog.
Da es dabei doch wieder später geworden war, fuhren wir an diesem Abend nur noch bis Prižba. Einige der Sachen, die wir aus Deutschland mitgebracht hatten, waren ohnehin dafür bestimmt. Erst am Montag kamen wir schließlich wieder am Kutak an.

Der Schreck beim Wiederkommen
Die Freude über das Heimkommen bekam allerdings ziemlich schnell einen Dämpfer. Die Dürre hatte auch bei uns massiv zugeschlagen. Vor unserer Abreise waren die Olivenbäume noch sattgrün gewesen und daran hingen zwar noch kleine, aber schon richtig schön dicke Oliven. Jetzt fanden wir nur noch verschrumpelte Früchte.

Ich habe versucht, einige Bäume kräftig zu gießen, aber unser Boden ist so durchlässig, dass das Wasser gefühlt sofort irgendwo in der Tiefe verschwindet. Jetzt können wir nur hoffen, dass der angekündigte Regen am Donnerstag tatsächlich kommt – und vor allem, dass es nicht nur ein paar Tropfen werden.
Kaum da, schon mitten in der Weinlese
Kaum waren wir angekommen, rief Ante an und fragte, ob wir am Dienstag bei Ive zum Traubenpflücken kommen würden. Natürlich. Genau dafür wollten wir schließlich rechtzeitig wieder zurück sein. Auch bei Stipe waren wir bereits für Donnerstag und Samstag zum Helfen eingeplant.

Wie schon mehrfach geschrieben: Das Beste an der Wein- und Olivenernte ist eigentlich das Gesellige danach. Auch diesmal hatten Snježana und Ive etwas vorbereitet. Es gab Schnitzel, Salat und etwas für kroatische Verhältnisse bei solchen Essen fast Exotisches: Pommes frites.
Leider war der Topf für die Pommes ziemlich klein. Daraus entwickelte sich eine längere kroatische Diskussion darüber, wer wann wie viele Pommes essen wollte, wie viele gleichzeitig in den Topf durften und wann die nächste Portion an der Reihe war. Wir haben nicht jedes Detail verstanden, aber offensichtlich handelte es sich um eine durchaus ernst zu nehmende logistische Herausforderung.
Little Drummer Boy
Damit der kleine Nikolai währenddessen beschäftigt war, hatte man ihm ein improvisiertes Schlagzeug aufgebaut. Schon beim Hereinkommen hatte ich mich gewundert, warum an der Wäscheleine verschiedene Metalldeckel hingen. Die dienten tatsächlich als Becken. Später kamen noch Weinkisten, Eimer und andere Behälter als Trommeln dazu.
Die Unterhaltung am Tisch wurde dadurch nicht unbedingt einfacher. Auf meine Frage, ob das Kind denn keine Buntstifte habe, bekam ich erstaunlicherweise keine Antwort.

Büro am Kompasstisch
Der Mittwoch war dann ein reiner Bürotag. Nach der Geschäftsreise der Vorwoche war noch einiges liegengeblieben und längst nicht alle E-Mails waren abgearbeitet. Den Abend verbrachten wir dafür umso gemütlicher unten am Wasser – beziehungsweise direkt im Wasser.
Neben der Trockenheit herrscht im Moment nämlich auch noch eine ordentliche Hitze. Körperliche Arbeit ist tagsüber fast ausgeschlossen. Entsprechend froh bin ich über den Deckenventilator in meinem Büro. Wobei „Büro“ vielleicht etwas hochgegriffen ist. Im Moment arbeite ich meistens in unserer Sitzecke in Mikulina Luka. Auf dem Tisch ist eine Windrose abgebildet, weshalb er bei uns nur noch der Kompasstisch heißt. Angela hat währenddessen den Esstisch in der Außenküche für sich beansprucht. Und für schlechtes Wetter hätten wir dann noch den Klapptisch im Kutak. Homeoffice auf Fjaka-Art.
Vom Kompasstisch aus hat man dafür einen ziemlich guten Blick auf den Schiffsverkehr. Und auch bei den Kreuzfahrtschiffen scheint Vela Luka inzwischen eine Nummer größer zu werden. Diesmal lag die MV Monet draußen in der Bucht. Sie gehört zwar noch lange nicht zu den schwimmenden Hochhäusern, die man aus Dubrovnik oder Split kennt, fällt vor der Kulisse von Vela Luka aber trotzdem deutlich auf. Eigentlich passt so ein kleineres, klassisches Kreuzfahrtschiff sogar ganz gut hierher: groß genug, dass man es sofort bemerkt, aber noch weit davon entfernt, den ganzen Ort zu dominieren.

Erst Weinberg, dann Kompasstisch
Am Donnerstag war dann wieder Pflücken angesagt. Treffen um sechs Uhr morgens, bevor die große Hitze kommt. Das ließ sich sogar problemlos vor meiner eigentlichen Bürozeit einrichten.
Diesmal waren sehr viele Helfer dabei und wir waren tatsächlich schon kurz nach acht Uhr fertig. So saß ich um neun wieder in Mikulina Luka am Kompasstisch – rechtzeitig für den ersten Call. Weinlese vor dem Büro. Auch eine Form von Work-Life-Balance.

Der MG ist wieder da – und Muscheln gibt es auch
Am Freitag wollten wir dann ausnahmsweise nicht schon wieder um sechs Uhr morgens aufstehen. Stattdessen entschieden wir uns, mit dem Hybrid unten herum über Pelješac zu fahren. Unser MG war endlich fertig und wir wollten ihn abholen. Den Mietwagen hätten wir offiziell noch bis Sonntag behalten können, konnten ihn aber natürlich auch früher zurückgeben.
Auf dem Hinweg kamen wir durch Ston und nutzten die Gelegenheit, frische Muscheln zu kaufen. Als die Verkäuferin für vier Kilo 24 Euro verlangte, fragte ich sicherheitshalber noch einmal auf Englisch nach: „Twenty-four?“ Ja. Sechs Euro pro Kilo. Das war ziemlich genau doppelt so viel wie im vergangenen Jahr.
Später wurde uns erzählt, dass es wegen des sehr warmen Meeres momentan deutlich weniger Muscheln gibt. Und in einer einigermaßen funktionierenden Marktwirtschaft bedeutet weniger Angebot bei gleicher Nachfrage nun einmal: sechs Euro statt drei. Ärgerlich, aber nachvollziehbar.

Wichtig war ohnehin, was Angela daraus machte. Am Samstag gab es die Muscheln nach Captain’s Art mit einer Weißwein-Lauchsoße – ohnehin schon unschlagbar lecker. Am Sonntag legte sie allerdings noch einmal nach: Kokosmilch, Ingwer und Zitronengras. Die Muscheln selbst waren diesmal etwas kleiner und es waren weniger richtig große Exemplare dazwischen. Aber geschmacklich waren sie hervorragend.
Endlich wieder Fjaka
Nach dieser bewegten Woche – oder eigentlich nach den bewegten letzten sechs Wochen – war der Sonntag schließlich unser erster echter Ruhetag. Und den haben wir tatsächlich ernst genommen.
Morgens lagen wir, solange die Hitze es zuließ, in der Hängematte. Später zogen wir uns in den Schatten und zeitweise sogar in die Klimaanlage im Kutak zurück. Am späten Nachmittag ging es wieder hinunter ans Wasser und natürlich auch hinein.
Keine Termine, kein Auto, keine Koffer, keine Weinlese und möglichst wenig Bewegung. Nach sechs Wochen unterwegs war es ziemlich genau das, was wir gebraucht hatten: einfach wieder ein bisschen Fjaka.




