Vier Wochen, zwei Länder, ein Mini: Unser Roadtrip durch Albanien und Italien

5.500 Kilometer durch Albanien und Italien: wilde Berge, Komansee und Riviera, Matera, Apulien, Pompeji, Vesuv und unser Fazit nach vier Wochen Roadtrip.

Vier Wochen unterwegs. 5.500 Kilometer im Mini. Berge, Schluchten und Fähren, antike Städte, weiße Dörfer, Olivenhaine und ein Vulkan. Dazu ziemlich viele Kurven und einige Straßen, die Google deutlich optimistischer eingeschätzt hatte als wir.

Als wir auf Korčula losfuhren, wussten wir ungefähr, welche Richtung wir nehmen wollten. Erst durch Montenegro und Albanien, irgendwann mit der Fähre nach Italien und dann weiter nach Norden. Die Zimmer und die Fähre nach Bari waren vorgebucht, bei den Strecken dazwischen ließen wir uns treiben.

Genau das war wahrscheinlich das Beste an dieser Reise. Eingeschränkt wurde unsere Route weniger durch Regen als durch die Hitze. Immer wieder mussten wir das Dach schließen und die Klimaanlage einschalten, sobald wir aus dem Schatten der Schluchten oder der wenigen Wälder herauskamen.

Albanien und Italien wurden dabei zu den beiden großen Kapiteln unseres Roadtrips. Zwei Länder direkt gegenüber an der Adria und trotzdem zwei völlig unterschiedliche Arten zu reisen. In Albanien war häufig schon der Weg das eigentliche Erlebnis. In Italien wartete hinter fast jeder Kurve etwas, das seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden dort stand.

Albanien: Hinter der nächsten Kurve beginnt etwas Neues

Unser Albanien begann eigentlich schon vor der Grenze. Von Korčula ging es über Bosnien und Montenegro Richtung Süden. Hinter Podgorica öffnete sich das Cemi-Tal und spätestens dort war klar: Das wird keine Reise, bei der wir einfach Sehenswürdigkeiten auf einer Liste abhaken. Die Landschaft und die Berge waren atemberaubend.

Berglandschaft auf dem Weg nach Lëpushë
Der Norden Albaniens machte gleich zu Beginn klar, dass auf dieser Reise oft die Strecke selbst das Ziel sein würde.

Die Albanischen Alpen rund um Lëpushë und Vermosh waren gleich zu Beginn einer der landschaftlichen Höhepunkte. Berge, Wiesen, einzelne Häuser und diese gewaltigen Felswände hinter unserem Guesthouse. Dazu das eiskalte Wasser im Bashkimi-Canyon und die Erkenntnis, dass ein Bad auch sehr, sehr kurz sein kann.

Der Weg nach Valbona führte uns dann nicht einfach ins nächste Tal. Dafür mussten wir Albanien wieder verlassen, durch Montenegro und den Kosovo fahren und über die Rugova-Schlucht und Gjakova zurück nach Albanien kommen. Drei Grenzen an einem Tag – und schon da zeigte sich ein Muster, das uns durch das ganze Land begleiten sollte: Die Strecke war mindestens so spannend wie das Ziel.

Mit Glück auf den Komansee

Dass wir die Koman-Fähre ohne Reservierung versuchen wollten, war vielleicht nicht unsere allerbeste Planung. In Fierzë standen wir zwischen Autos, Transportern und Bussen und sahen zu, wie die Fähre immer voller wurde.

Unser Mini durfte schließlich noch mit – als vorletztes Auto.

Mini auf der Koman-Fähre
Geschafft: Der Mini hat noch einen Platz auf der Koman-Fähre bekommen.

Danach war für einige Stunden Schluss mit Straße. Die Fähre glitt durch die enge Schlucht des Komansees, links und rechts steile Felswände, vor uns immer wieder eine neue Biegung. Einer dieser Fjaka-Momente, bei denen man irgendwann aufhört zu fotografieren und einfach nur noch schaut.

Über Kruja ging es weiter nach Berat, über den alten Krraba-Pass, vorbei am gewaltigen Metallurgischen Kombinat bei Elbasan, durch Belsh und die Ölstadt Kuçova. Albanien präsentierte uns dabei nicht nur Postkartenlandschaften. Industrie, halbfertige Gebäude, moderne Straßen und Orte, an denen die Zeit langsamer zu laufen scheint, lagen oft nur wenige Kilometer auseinander.

Von Berat über die Vjosa nach Gjirokastër

Von Berat führte uns die nächste große Etappe über Gramsh und das Devoll-Tal nach Korçë und weiter nach Përmet. Wieder waren es vor allem die Landschaften, die hängen blieben: die Stauseen von Banja und Moglicë, die Berge im Osten und schließlich das Tal der Vjosa.

Über die Këlcyrë-Schlucht und Tepelenë erreichten wir Gjirokastër. Nach Tagen voller Landschaft plötzlich wieder eine Stadt, in der man hinter jeder Ecke Geschichte findet: steile Gassen, schwere Steindächer, osmanische Häuser, die Burg – und unter der Erde der riesige Cold-War-Tunnel.

Gjirokastër in Albanien
Gjirokastër – die Stadt aus Stein und einer unserer spannendsten Stopps in Albanien.

Gjirokastër war für uns einer der Orte, an denen sich Albanien besonders gut erklären lässt – oder vielleicht gerade nicht erklären lässt. Osmanische Geschichte, kommunistische Vergangenheit und die Gegenwart stehen hier manchmal nur wenige Meter voneinander entfernt.

Dann kam das Meer

Nach den Bergen wollten wir an die Riviera. Das berühmte Blue Eye ließen wir angesichts des völlig überfüllten Parkplatzes kurzerhand aus. Sarandë wiederum war voll, laut und im August ziemlich genau das Gegenteil von dem, was wir nach den vergangenen Tagen suchten.

Also weiter nach Borsh. Dort bezogen wir unser etwas skurriles „Robinson-Haus“ direkt über dem Meer – deutlich ruhiger als Sarandë und gleichzeitig eine gute Basis für unseren nächsten Ausflug.

Auf dem Balkon warteten Tisch, Stuhl, ein Glas Wein und der Blick aufs Meer. Später gab es Seebarsch zum Sonnenuntergang. Mehr Fjaka brauchte es an diesem Abend nicht.

Balkon unseres Robinson-Hauses in Borsh mit Blick auf das Meer
Unser Fjaka-Platz in Borsh: Balkon, Tisch, Stuhl und das Meer vor der Tür.

Für einen Tag nach Korfu

Am nächsten Morgen ging es noch einmal zurück nach Sarandë. Von dort wollten wir für einen Tag nach Korfu. Das Schnellboot mit rund 30 Minuten Fahrzeit war bereits ausgebucht, also nahmen wir die normale Fähre, die etwa eine Stunde für die Überfahrt brauchte.

Schon die Überfahrt zeigte, wie eng Albanien und Griechenland hier zusammenliegen. Gerade noch albanische Riviera, wenig später Korfu – ein weiterer Länderwechsel auf einer Reise, die ohnehin schon reichlich Grenzen zu bieten hatte.

Korfu fühlte sich sofort anders an: bunter, lebhafter und mediterraner herausgeputzt. Der Verkehr war gleich hektischer und wurde von deutlich mehr Gehupe begleitet. Dafür gefielen uns die Geschäfte und Märkte. Neben den üblichen Souvenirs gab es dort auch tatsächlich brauchbare, schöne und modische Dinge – ein deutlicher Unterschied zu vielen der Souvenirläden, die wir zuvor gesehen hatten.

Am Abend ging es mit der Fähre zurück nach Sarandë und anschließend wieder nach Borsh. Gegen 20:30 Uhr waren wir zurück in unserem Robinson-Haus. Für ein Abendessen war es inzwischen zu spät – also blieb uns nur noch der Balkon, ein Glas Wein und der Blick aufs dunkler werdende Meer.

Von Borsh ging es anschließend über Himarë, Dhërmi und Palasë Richtung Llogara-Pass. Olivenhaine, das Ionische Meer tief unter uns und eine Straße, die sich in endlosen Kurven am Berg entlangzieht. Genau für solche Strecken hatten wir den Mini mitgenommen.

Blick über die albanische Riviera am Llogara-Pass
Die albanische Riviera unterhalb des Llogara-Passes – einer der großen Landschaftsmomente unserer Reise.

Auf der Nordseite sorgte Google dann noch dafür, dass wir die alte Passstraße etwas gründlicher kennenlernten als geplant. Nach einigen Kilometern standen wir vor einer Betonsperre und durften wieder zurück. In dem Moment eher lästig, inzwischen natürlich eine der Geschichten, die zur Reise dazugehören.

Tirana – und Abschied von Albanien

Nach Vlorë kam mit Tirana noch einmal ein völliger Kontrast. Die Hauptstadt war modern, laut und voller Bewegung – und gleichzeitig führte uns ein Teil unseres Besuchs wieder tief unter die Erde in die Welt der kommunistischen Vergangenheit.

Danach war es tatsächlich Zeit, Albanien zu verlassen. In Durrës rollten wir auf die Fähre nach Bari. Hinter uns ein Land, das uns deutlich mehr überrascht hatte, als wir vor der Reise erwartet hatten.

Was uns von Albanien bleibt

Vor allem freundliche und gastfreundliche Menschen, die stolz auf ihr Land und auf das sind, was sich in den vergangenen Jahren verändert hat. Dazu zumindest unser Eindruck: erstaunlich viele Mercedes, BMW und Audi auf den Straßen – aber ebenso auffällig viele Elektroautos und Ladestationen. Gerade Letzteres hätten wir vor der Reise so nicht erwartet.

Im Landesinneren kamen gutes frisches Obst und Gemüse und eine ehrliche, kräftige Hausmannskost dazu. Vieles war einfach, regional und genau deshalb gut.

Albanien war nicht immer bequem. Die Qualität der Straßen konnte sich innerhalb weniger Kilometer deutlich verändern, und auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen waren für uns nicht immer nachvollziehbar. Auf manchen Landstraßen galt über lange Abschnitte Tempo 40 – und erstaunlicherweise hielten sich die meisten tatsächlich daran. Manchmal hatten wir fast den Eindruck, die Schilder stammten noch aus Zeiten, als anstelle des heutigen Asphalts dort eine Schotterpiste verlief. Dazu kamen plötzlich auftauchende Baustellen und touristische Hotspots, die im August hoffnungslos voll sein konnten.

Aber gerade deshalb fühlte sich vieles noch nach Entdecken an.

Unsere stärksten Erinnerungen sind weniger einzelne Museen oder Sehenswürdigkeiten als die Räume dazwischen: die Albanischen Alpen, die Rugova-Schlucht, der Komansee, das Devoll-Tal, die Vjosa und die Straße an der Riviera.

Und natürlich das Essen: Lakror, Qifqi, Tavë Kosi, Lamm, gefüllte Auberginen, Weinblätter und frischer Fisch. Nicht jedes Essen war ein Volltreffer und nicht jeder Service erinnerungswürdig. Aber auch das gehört dazu.

Eine Nacht später: Italien

Die Fähre über die Adria war wie ein Schnitt zwischen zwei Reisen. Abends Durrës, morgens Bari – und plötzlich Italien.

Unser erstes großes Ziel war Matera. Nach den wilden Landschaften Albaniens standen wir nun vor einer Stadt, deren Geschichte buchstäblich in den Fels gegraben wurde. Die Sassi wirkten aus der Ferne fast wie eine Kulisse. Erst beim Herumlaufen wurde deutlich, dass diese Höhlen und Häuser über Jahrhunderte tatsächlich Wohnraum waren.

Blick hinunter auf die Sassi von Matera
Matera: Häuser, Höhlen und Gassen übereinander am Rand der Schlucht.

Von Materas Unterwelt ging es weiter zu den Trulli von Alberobello und damit in eine völlig andere Bilderbuchwelt. Weiße Rundhäuser mit steinernen Kegeldächern statt grauer Höhlenwohnungen – und wieder lagen zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturlandschaften nur wenige Kilometer.

Apulien: Weiße Städte, Oliven und gutes Essen

Im Valle d’Itria bekamen wir dann das Italien, das man schon vor der Reise im Kopf hat: Ostuni in strahlendem Weiß, Cisternino mit seinen Fornelli Pronti, Locorotondo, Martina Franca, enge Gassen und abends Piazzas voller Menschen.

Dazwischen die andere Seite Apuliens: kilometerlange Olivenhaine und überall die sichtbaren Schäden durch Xylella. Manche Bäume wirkten wie jahrhundertealte Skulpturen, andere waren bereits abgestorben. Gerade weil Olivenöl auch zu Hause auf Korčula zu unserem Alltag gehört, hat uns das Thema auf dieser Reise immer wieder beschäftigt.

Einmal um den Stiefelabsatz

Einen ganzen Tag widmeten wir dem Salento. Von der Adriaküste über Otranto ging es nach Santa Maria di Leuca und anschließend am Ionischen Meer wieder nach Norden. Zwei Meere an einem Tag, Steilküste, kleine Buchten, Strände und zwischendurch immer wieder diese trockene Landschaft aus Kalkstein und Oliven.

Unterwegs am südlichen Stiefelabsatz in Apulien
Einmal um den Stiefelabsatz – vom Adriatischen zum Ionischen Meer.

Über Santa Maria di Leuca, Pescoluse und Gallipoli schlossen wir die Runde. Und wieder zeigte sich, dass eine Karte zwar Entfernungen darstellen kann, aber kaum, wie unterschiedlich Landschaften innerhalb weniger Kilometer sein können.

Quer über den Stiefel zur Amalfiküste

Von Martina Franca wechselten wir schließlich die Seite Italiens. Vorbei an Taranto und seinem riesigen Stahlwerk, weiter zu den griechischen Spuren von Metaponto und dann Richtung Salerno und Amalfiküste.

Amalfi war spektakulär – und dank eines Parkhauses im Felsen hatten wir sogar sofort einen Parkplatz: 22 Euro für drei Stunden. Billig war Amalfi also nicht, aber überraschenderweise auch nicht so voll, wie wir es befürchtet hatten. Straßen, Häuser und Ortschaften kleben dort an einer Küste, an der eigentlich kaum Platz für irgendetwas ist. Dass sich auf den schmalen Straßen zusätzlich Autos, Busse, Roller und Fußgänger arrangieren müssen, gehört einfach zur besonderen Atmosphäre dieser Küste.

Unser nächstes Ziel lag nur wenige Kilometer entfernt und trotzdem fast 2.000 Jahre zurück.

Pompeji: Eine Stadt, keine Ruine

Pompeji war einer der Höhepunkte der gesamten Reise. Natürlich weiß man vorher, was dort passiert ist. Trotzdem hatten wir nicht erwartet, wie schnell man aufhört, nur einzelne Ruinen zu sehen.

Basilika am Forum von Pompeji
Am Forum von Pompeji – irgendwann sieht man hier nicht mehr nur Ruinen, sondern wieder eine ganze Stadt.

Straßen, Geschäfte, Thermen, Brunnen, Häuser, Mosaike und Wandmalereien ergeben irgendwann wieder eine Stadt. Man beginnt sich vorzustellen, wie Menschen hier eingekauft, gegessen, gebadet, gearbeitet und gestritten haben.

Nach Stunden war der Kopf irgendwann voll. Wir verzichteten bewusst auf weitere Villen – nicht weil es nichts mehr zu sehen gegeben hätte, sondern weil irgendwann auch 2.000 Jahre Geschichte verarbeitet werden müssen.

Am Abend ging es noch mit der Circumvesuviana – der Regionalbahn – nach Neapel. Vom stillgelegten Pompeji direkt hinein in eine Stadt, die ziemlich überzeugend demonstriert, wie lebendig eine Stadt sein kann.

Mir persönlich reichte allerdings schon dieser kurze Eindruck. Einmal Neapel – und vorerst kein zweites Mal. Dreck, Gestank, überquellende Mülltonnen und Obdachlose bestimmten an vielen Stellen unser Bild. Zwei Meter neben dem Müll wurde Obst und Gemüse verkauft, Frauen saßen am offenen Fenster und beobachteten das Geschehen auf der Straße, während die Carabinieri im Wagen blieben. Neapel ist zweifellos lebendig – für meinen Geschmack an diesem Abend allerdings ein wenig zu lebendig.

Der Berg, der über allem steht

Am nächsten Morgen fuhren wir hinauf zum Vesuv. Nach Pompeji bekommt der Berg automatisch eine andere Bedeutung. Von unten sieht er fast harmlos aus. Oben steht man plötzlich an einem riesigen Krater und weiß ziemlich genau, wozu dieser Berg fähig ist.

Krater des Vesuvs in der Sonne
Der Krater in der Sonne

Der Krater in der Sonne, der Blick über den Golf von Neapel – und irgendwo weit unten Pompeji. Viel besser hätte man diesen Teil der Reise kaum abschließen können.

500 Kilometer später: Modena

Danach wurde aus Besichtigen wieder Fahren. Fast 500 Kilometer nach Norden, über die Autostrada del Sole, durch die Toskana und über den Apennin bis nach Modena.

Nach all den großen Landschaften und Monumenten war Modena ein angenehm ruhiger Schlusspunkt in Italien. Noch einmal durch eine Altstadt schlendern, über den Mercato Albinelli laufen und anschließend herausfinden, wie weit echter Aceto Balsamico Tradizionale von dem entfernt ist, was im Supermarkt meistens unter Balsamico verkauft wird.

Ziemlich weit, wie wir jetzt wissen.

Gotthard, Tankpoker und noch einmal Dach auf

Dann blieb nur noch der Weg Richtung Deutschland. Durch die Schweiz, vorbei am Luganersee und zum Gotthard. Natürlich nicht ohne Stau, die Frage Pass oder Tunnel und unser ganz persönliches Tankpoker.

Und wenn man schon einen Cabrio-Roadtrip macht, dann darf man sich am Ende natürlich auch von einstelligen Temperaturen nicht vollständig vom offenen Dach abhalten lassen. Sechs Grad waren schließlich immer noch sechs Grad über null.

Albanien oder Italien?

Welche Hälfte der Reise war schöner?

Die Frage funktioniert eigentlich nicht.

Albanien war die größere Überraschung. Wilder, weniger vorhersehbar und manchmal anstrengender. Dort hatten wir viel häufiger das Gefühl, nicht genau zu wissen, was hinter der nächsten Kurve kommt. Und ziemlich oft war genau das das Beste daran.

Italien war dichter. Dichter an Geschichte, Architektur, Essen und Orten, für die man eigentlich jeweils noch einen zusätzlichen Tag gebraucht hätte. Matera, Alberobello, die weißen Städte Apuliens, die Amalfiküste, Pompeji, Vesuv und Modena – manchmal lagen nur wenige Stunden Fahrt dazwischen und trotzdem Jahrtausende Geschichte.

Wenn wir den Unterschied in einem Satz beschreiben müssten, wäre es vielleicht dieser:

In Albanien war häufig die Fahrt das Erlebnis. In Italien wartete das nächste Erlebnis meist am Ende der Fahrt.

Würden wir es wieder so machen?

Nicht ganz.

Albanien würden wir sofort wieder mit dem Auto bereisen. Wieder nicht jeden Tag bis ins Detail planen, wieder Nebenstraßen nehmen, Umwege zulassen und im Norden beginnen, um uns langsam Richtung Süden vorzuarbeiten. Die Riviera würden wir beim nächsten Mal wahrscheinlich etwas kürzer halten und dafür noch mehr vom Hinterland entdecken.

Italien würden wir beim nächsten Mal dagegen auslassen. Nicht weil uns dieser Teil der Reise nicht gefallen hätte – ganz im Gegenteil. Matera, Apulien, Pompeji und der Vesuv waren großartig. Aber gerade Albanien hat bei uns so viele Stellen hinterlassen, an denen wir noch einmal abbiegen, länger bleiben oder eine völlig andere Route nehmen möchten, dass wir die nächste Reise lieber ganz diesem Land widmen würden.

Sarandë würden wir im August weiträumiger umfahren, das Blue Eye lieber außerhalb der Hauptsaison besuchen und an manchen Stellen einen Tag weniger fahren und dafür einen Tag mehr einfach irgendwo bleiben.

Grundsätzlich würden wir die nächste Albanien-Reise außerdem in die Nebensaison verlegen – wahrscheinlich in den Frühling, wenn alles grün wird und die Temperaturen angenehmer sind. Und inzwischen würden wir die Runde sogar mit unserem MG wagen. Nach dem, was wir unterwegs an Elektroautos und Ladeinfrastruktur gesehen haben, schreckt uns Albanien elektrisch jedenfalls nicht mehr ab.

Was am Ende wirklich bleibt

Beim Zurückdenken sind es erstaunlich selten nur die berühmten Sehenswürdigkeiten, die zuerst auftauchen.

Es ist die Felskulisse hinter unserem Guesthouse in Lëpushë. Das eiskalte Wasser bei Vermosh. Der Moment, als klar war, dass der Mini doch noch auf die Koman-Fähre passt. Die Vjosa neben der Straße. Der bunte Tagesausflug nach Korfu. Der Balkon in Borsh. Das Meer unterhalb des Llogara-Passes.

Es sind Materas Sassi, Bombette in Cisternino, die Fahrt einmal um den Stiefelabsatz, die spektakuläre Kulisse der Amalfiküste, die ersten Schritte durch Pompeji und der Blick in den Vesuvkrater. Und zum Schluss Balsamico in Modena, Gotthard, Tankpoker und noch einmal das Dach auf.

Vor allem aber sind es die 5.500 Kilometer in unserem Mini. Oft offen. Manchmal heiß und staubig, manchmal kalt, manchmal im Stau und gelegentlich auf einer Straße, die Google deutlich optimistischer eingeschätzt hatte als wir.

Aber Vernunft war schließlich nicht der Sinn dieser Reise.

Der Sinn war, unterwegs zu sein.

Und davon hatten wir reichlich.