Balsamico, Gotthard und Tankpoker: Von Modena nach Neustadt

Ein letzter Rundgang durch Modena, Balsamico-Tasting, Stau am Gotthard und Tankpoker bei Basel: unser langer Fahrtag bis Neustadt an der Weinstraße.

Mit Regen ins Bett – und mit Regen wieder aufgewacht

Mit Regen sind wir am Abend ins Bett gegangen, und mit Regen wachen wir auch wieder auf. Das Wetter hat sich über Nacht also nicht wirklich weiterentwickelt. Für unseren letzten Morgen in Modena bedeutet das vor allem eines: Frühstück heute ausnahmsweise drinnen.

Der Blick vom Frühstücksraum in den nassen Garten

Während des Frühstücks schüttet es bereits ordentlich. Als wir später unsere Sachen gepackt haben und eigentlich nur noch das Auto beladen wollen, legt der Regen noch einmal nach. Also Regenschirm auf, Rucksäcke geschnappt und raus.

Zum Glück steht die Garage des Hotels offen. Ich stelle die Rucksäcke zunächst dort unter. Schon der kurze Weg bis zum Mini reicht, um mich und die Fahrerseite gründlich nass zu bekommen. Anschließend fahre ich auch den Mini in die Garage und kann wenigstens im Trockenen beladen. Danach hole ich Angela mit dem Schirm an der Rezeption ab – und genau in diesem Moment lässt der Regen langsam nach.

Als schließlich alles verstaut ist, sieht es draußen plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus. Statt sofort loszufahren, entscheiden wir spontan: Eine Runde durch Modena geht noch.

Noch einmal durch Modena

Am Eingang zum Mercato Albinelli
In der historischen Markthalle

Unser erster Weg führt uns zum Mercato Albinelli. Einige Stände sind am Morgen noch geschlossen – am Vorabend war der Markt schließlich bis 19 Uhr geöffnet. Neben den klassischen Lebensmittelständen gibt es hier inzwischen auch kleine Sitzecken und Gastronomieangebote. Man kann also nicht nur Käse, Wurst, Gemüse oder andere Spezialitäten einkaufen, sondern sich gleich hinsetzen und etwas davon essen. Eigentlich genau unsere Art von Markt.

Der Palazzo Comunale mit seiner Torre dell’Orologio an der Piazza Grande

Das schicke Arkadengebäude gleich am Dom ist der Palazzo Comunale, das Rathaus von Modena. Sein langer Portikus rahmt einen Teil der Piazza Grande ein, darüber erhebt sich die markante Torre dell’Orologio. Damit stehen hier kirchliches und weltliches Zentrum der Stadt praktisch nebeneinander – Dom und Rathaus auf ein und demselben Platz.

Im Dom von Modena – dunkel, schlicht und erstaunlich zurückhaltend

Auch in den Dom von Modena schauen wir noch hinein. Nach all den teilweise unglaublich prunkvoll ausgestatteten Kirchen der vergangenen Wochen ist das fast ein Kontrastprogramm. Dunkler Backstein, schwere romanische Bögen und vergleichsweise wenig Gold und Zierrat. Der Dom wirkt dadurch deutlich strenger, auf mich aber auch bodenständiger und irgendwie näher an der Gesellschaft, für die eine Kirche schließlich da sein sollte, als so manches Gotteshaus, in dem Gold und Prunk alles andere überstrahlen.

Gemütliche Bars unter den Arkaden

Ohne den Regen wirkt Modena gleich wieder ganz anders. Wir schlendern noch einmal unter den Arkaden entlang, vorbei an den kleinen Bars und Cafés, die uns gestern Abend schon gefallen haben. Viel Zeit haben wir eigentlich nicht – aber irgendwie können wir uns noch nicht so recht von Italien losreißen.

Ein einsames Karussell nach dem Regen
Schöne Deckenmalerei in einer der Passagen

Balsamico ist nicht gleich Balsamico

Bevor wir Modena endgültig verlassen, steht aber noch etwas auf dem Programm, das hier fast dazugehört: Balsamico.

Warten auf unsere Führung durch die Welt des Balsamico

Bei der Führung wird ziemlich schnell klar, dass zwischen dem Balsamico aus dem Supermarkt und einem traditionellen Aceto Balsamico Tradizionale di Modena Welten liegen können. Besonders anschaulich ist der Vergleich mit einer schnellen Variante, die ohne die aufwendige traditionelle Reifung und entsprechend auch ohne deren Zertifizierung auskommt.

Die schnelle Variante ohne Zertifizierung – großes und kleines Fass im direkten Vergleich

Beim echten traditionellen Balsamico sieht die Sache ganz anders aus. Ausgangspunkt ist gekochter Traubenmost, der über viele Jahre hinweg in einer sogenannten Fassbatterie aus unterschiedlich großen Holzfässern reift. Jahr für Jahr wird aus dem kleinsten Fass eine kleine Menge entnommen und anschließend aus dem jeweils nächstgrößeren Fass wieder aufgefüllt. Ein Aceto Balsamico Tradizionale di Modena DOP darf frühestens nach zwölf Jahren als solcher verkauft werden, die Variante „Extravecchio“ sogar erst nach mindestens 25 Jahren.

Für die weitere Reifung vorbereiteter Balsamico

Und natürlich bleibt es nicht bei der Theorie. Zum Abschluss dürfen wir probieren. Spätestens beim Tasting versteht man, warum hier über Jahre und Jahrzehnte und nicht über Wochen gesprochen wird.

Balsamico-Tasting zum Abschluss

Von Italien in die Schweiz

Danach ist endgültig Schluss mit Modena. Vor uns liegt ein langer Fahrtag: zunächst nach Zürich und später noch weiter bis Neustadt an der Weinstraße.

Von Modena über Zürich bis nach Neustadt an der Weinstraße – heute kommt einiges an Strecke zusammen

Mit Tankstellen haben wir an diesem Tag offenbar kein Glück. Schon in Modena ist die erste, die wir uns ausgesucht haben, geschlossen. Fast bin ich bereits auf der Autobahn, als ich noch schnell eine Rampe wieder hinunterfahre, um zurück in die Stadt zu kommen. Im Navi habe ich grob gesehen, wo die nächste Tankstelle sein müsste – dank einer etwas gewöhnungsbedürftigen Straßenführung fahren wir aber auch daran erst einmal vorbei. Irgendwann finden wir schließlich doch noch eine und können den Mini für die lange Fahrt volltanken. Dass das Thema Tankstelle uns an diesem Tag noch einmal beschäftigen wird, ahnen wir da noch nicht.

Und noch einmal italienische Kunst am Bau

In Italien selbst läuft die Fahrt anschließend erstaunlich zügig und fast staufrei. An einigen Raststätten südlich von Mailand fällt uns allerdings auf, wie unglaublich voll die Parkplätze sind. Unmengen von Autos stehen dort herum. Ob das alles Elektroautos sind, die auf einen freien Ladeplatz warten, oder ob hier Fahrzeuge für Fahrgemeinschaften abgestellt werden, können wir nicht erkennen. Jedenfalls wirken manche Raststätten fast überfüllt.

Selbst an den Mautstationen hält sich der Rückstau dagegen in Grenzen – meistens stehen gerade einmal drei oder vier Fahrzeuge vor uns. Erst an der Schweizer Grenze dauert es etwas länger. Soweit wir beobachten können, werden allerdings keine Pässe kontrolliert. Die Grenzer werfen eher einen Blick auf Fahrzeuge und Insassen, und dann geht es weiter.

Auf in die Schweiz

Eigentlich haben wir extra eine Datenkarte für die Schweiz gekauft – nur leider vergessen, sie vorher zu aktivieren. Also beschließen wir spontan, die Strecke bis Zürich eben ohne mobile Daten zu fahren. Der größte Nachteil daran ist weniger die Navigation als die Tatsache, dass wir Vanessa und Neil nicht genau sagen können, wann wir bei ihnen ankommen.

Erst einmal altersgerecht das Vintage Radio eingestellt

Und auch das Internetradio fällt damit aus. Also wird das gute alte Radio bemüht und wir landen beim Schweizer Vintage Radio. Musik für unsere Generation – altersgerechte Reisebegleitung sozusagen.

Der Luganersee unter tief hängenden Wolken

Hinter der Grenze wird die Landschaft schnell alpiner. Die Wolken hängen tief in den Bergen, und nach den kräftigen Regenfällen der vergangenen beiden Tage läuft das Wasser überall die Hänge hinunter. Die Waldbrandgefahr ist dadurch inzwischen wieder zurückgegangen. Regen war allerdings auch dringend nötig: Auf unserer gesamten Tour haben wir in fast jeder Region kleinere Brände oder zumindest Rauchfahnen gesehen. Es ist schon Wahnsinn, wie trocken Europa in diesem Sommer ist.

Nach dem vielen Regen: Wasserfälle ohne Ende

Tunnelstau? Dann eben über den Pass

Stau vor dem Gotthard-Tunnel

Vor dem Gotthard-Tunnel ist dann erst einmal Schluss mit zügigem Vorankommen. Der Verkehr staut sich – und wir haben wenig Lust, unsere Zeit vor einem Tunnelportal zu verbringen. Die Passstraße ist offen, also fällt die Entscheidung spontan: Dann fahren wir eben oben drüber. Für ein Cabrio ist das ohnehin die schönere Variante, und endlich können wir auch wieder das Dach aufmachen. Auf der Autobahn hatten wir es geschlossen gehalten, zumal es zwischendurch immer wieder geregnet hat.

Aus der reinen Ausweichroute wird damit eines der Highlights des Tages. Die Straße windet sich durch die Berge, die Wolken hängen noch immer tief und das Thermometer fällt immer weiter.

6 Grad – das Dach bleibt trotzdem offen

Oben sind es schließlich gerade einmal 6 Grad. Das Dach bleibt trotzdem offen. So viel Konsequenz muss nach mehreren tausend Cabrio-Kilometern schließlich sein. Dafür steht die Heizung jetzt auf 28 Grad und das Gebläse läuft auf voller Leistung. Auch das hat der Mini in den vergangenen drei Wochen noch nicht erlebt – bislang war eher 16 Grad und Kühlen angesagt.

Auch hier stehen die Kühe direkt am Wegesrand
Der Uristier zeigt es deutlich: Wir sind im Kanton Uri

Auf der Nordseite des Gotthards geht es durch den Kanton Uri weiter Richtung Zürich. Nach der kargen Passhöhe tauchen wieder grüne Täler, Holzhäuser und kleine Orte auf – ein ziemlich abrupter Landschaftswechsel innerhalb weniger Kilometer.

Zum Italiener in Zürich

In Zürich treffen wir Vanessa und Neil zum Essen. Und wo gehen wir nach all den Tagen in Italien hin? Natürlich zum Italiener. Kulinarisch passt das also weiterhin perfekt zu unserer Reise. Preislich ist der Länderwechsel dagegen nicht zu übersehen: ungefähr doppelt so teuer wie in Italien – aber immerhin gut.

Nach dem Essen heißt es Abschied nehmen. Für uns ist der Tag allerdings noch lange nicht vorbei. Neustadt an der Weinstraße wartet – und dazwischen liegen noch Basel und eine Tankstelle. Hoffentlich.

Die letzte Etappe von Basel nach Neustadt an der Weinstraße

Tankpoker an der deutschen Grenze

Da Benzin in der Schweiz teurer sein soll, pokere ich darauf, erst hinter der Grenze in Deutschland zu tanken. Was soll bei einem fast leeren Tank schon schiefgehen?

Am Grenzübergang bei Basel wird die Sache dann deutlich spannender als geplant. Was ich völlig unterschätzt habe: Auf deutscher Seite ist die Gegend zunächst eher dörflich und industriell geprägt. Google schickt mich zu einer tankpool24-Station. Dort angekommen stelle ich fest: nur Lkw-Diesel – und außerdem geschlossen.

Also weiter zur nächsten Tankstelle. Schließlich finden wir eine Shell, an der der Liter 2,10 Euro kostet. Nicht gerade das erhoffte Schnäppchen, aber inzwischen ist der Preis auch ziemlich egal. In den 40-Liter-Tank passen 39,86 Liter. Viel knapper hätte mein kleiner Tankpoker also wirklich nicht ausgehen müssen.

Um halb zwei endlich im Bett

Mit vollem Tank können wir endlich die letzte Etappe nach Neustadt an der Weinstraße antreten. Dort haben wir ein Apartmenthaus direkt in der Altstadt gemietet. Meine Theorie für die späte Ankunft lautet: Um diese Uhrzeit wird sich dort schon irgendwo ein Parkplatz finden.

Eine schöne Theorie.

Die Realität besteht aus absolutem Halteverbot, Flächen nur für Lieferverkehr und ansonsten erstaunlich vielen belegten Parkplätzen. Irgendwann entdecke ich schließlich doch noch eine Lücke, bei der zumindest kein weiteres Verbot zu erkennen ist. Kleines Detail: Sie liegt ausgerechnet in der Fußgängerzone.

Für heute reicht uns das. Auto abstellen, Gepäck ins Apartment und nur noch ins Bett. Um 1:30 Uhr ist dieser ziemlich lange Tag schließlich vorbei – angefangen mit strömendem Regen in Modena, dazwischen Balsamico, ein spontaner Alpenpass bei 6 Grad mit offenem Dach, ein Abendessen in Zürich und zum Abschluss noch ein kleines Benzinroulette an der deutschen Grenze.