Mungos, Morgentau und ein fast fertiges Dach
Das vorherige Wochenende war komplett verregnet – perfekt, um nach der Olivenernte einmal durchzuatmen und in Prižba ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Am Sonntagnachmittag hatte Ive zum Geburtstag eingeladen. Viel Fleisch, etwas Salat und wenige Kartoffeln – typisch für hier. Für Angela als Flexitarier gab es eine Portion Fisch, und wir hatten einen wirklich schönen, entspannten Nachmittag mit viel Gelächter.

Von Nataša und Stipe gab es dann noch unseren „Lohn“ für die Olivenernte: vierzig Liter frisch gepresstes Olivenöl und dazu eine Flasche Plavac Mali. Viel besser kann man ein verregnetes Wochenende kaum zusammenfassen.

Letztes Wochenende waren wir dann endlich wieder ein paar volle Tage am Kutak – inklusive Freitag- und sogar Montagnachmittag. Schlafen können wir dort noch nicht: Der Kühlschrank steht immer noch im Häuschen, der Ofen hat keinen Platz und bei rund zwölf Grad Innentemperatur wird es abends doch recht frisch. Gleichzeitig ist alles sehr feucht, darum sind unsere Besuche zum Lüften im Moment Gold wert.
Terrassendach, Morgentau und ein zickiger Kamin
Das ganze Wochenende stand unter dem Motto: Dach fertig bekommen. Die großen Balken sind jetzt gesetzt, der Rahmen für das zukünftige Solardach steht. Zwischendurch musste ich allerdings den Kamin wieder flicken – den hatte ich beim letzten Besuch selbst aus dem Gleichgewicht gebracht.

Ich hatte einen Querbalken etwas tiefer gesetzt, ihn erst am Kamin festgeschraubt und dann mit weiteren Schrauben an der Mauer „herangezogen“. Die Spannung war zu viel, der Kamin hat nachgegeben und sich sichtbar geöffnet. Also alles wieder in Form gebracht, Fugen geschlossen und neu verschraubt. Wenn später noch Klinkersteine darüber kommen, wird das hoffentlich für Ruhe sorgen.
Die Luftfeuchtigkeit hat uns ebenfalls eingeholt. Obwohl es nicht durchgehend regnet, reicht der Morgentau, damit das Holz jede Nacht Feuchtigkeit zieht. Ein Balken zeigt bereits deutliche Schimmelspuren, und ein Stützpfeiler in Bodennähe war spürbar feucht. Zweimal Lasur sind offenbar nicht alles – ohne kräftigen Bläueschutz geht hier nichts.

Trotzdem: Die zentrale Konstruktion des Terrassendachs ist fast fertig – stabil genug, dass ich bereits darüber laufen kann. Wenn die Sonne am nächsten Wochenende wieder rauskommt, wollen wir die ersten vier Solarmodule auflegen. Dann steht die Außenküche endlich im Trockenen und auch die Balken sind besser geschützt.

Puma, Nika und die neue Mungo-Gang
Am Samstagmorgen hatten wir Besuch von australischen Bekannten, die uns wieder einmal bestätigt haben, dass wir uns hier ein kleines Stück Paradies gesichert haben. Und offenbar spricht sich das nicht nur bei Menschen herum.
Nika, unsere goldene Königin, war seit unserer Rückkehr aus Deutschland nicht mehr am Kutak zu sehen. Puma dafür umso öfter – er kontrolliert zuverlässig Fressplatz und Terrasse und beobachtet alles mit seinem typischen „Ich weiß genau, was ihr hier macht“-Blick. Nur streicheln lässt er sich leider noch nicht.

Neu im Spiel: die Mungos. Die kleinen, neugierigen Räuber haben unser Grundstück jetzt offiziell in ihr Revier aufgenommen. Sie stromern tagsüber über die Terrasse, tun so, als wären sie schon immer da gewesen, und haben unser Katzenfutter zur bevorzugten Energiequelle erklärt.
Einer von ihnen hat es besonders ernst genommen: Im Werkzeugschrank hat er sich in der Schachtel mit den Strohanzündern ein gemütliches Nest gebaut. Dazu gab es ein ordentlich angelegtes Futterlager – eine der Katzenfuttertüten war schon fein säuberlich angeknabbert und ein Teil der Kroketten liebevoll umgelagert.

Die Mungos wurden vor vielen Jahrzehnten auf mehreren dalmatinischen Inseln ausgesetzt, um die damals zahlreichen Schlangen in Schach zu halten. Inzwischen gehören sie ganz selbstverständlich zur Inselwelt: tagaktiv, neugierig, flink – und immer interessiert an allem, das gut riecht. Auf Korčula sieht man sie oft rund um Häuser, Felder und Gärten, meist harmlos und immer mit einem gewissen Selbstbewusstsein unterwegs.
Mungos sind übrigens nicht zu verwechseln mit dem Kuna (Marder). Der Kuna spielt in der kroatischen Geschichte eine wichtige Rolle: Sein Fell wurde im Mittelalter als Zahlungsmittel und Steuer genutzt – man nannte es „marturina“ oder „kunovina“. Darauf basiert auch der Name der früheren Währung Kroatische Kuna, und der Marder war auf vielen Münzen als Symbol zu sehen.
Der Marder selbst ist jedoch kein nationales Wappentier. Er erscheint im Wappen der Region Slawonien, nicht im kroatischen Staatswappen. Das kroatische Wappen zeigt ausschließlich die bekannte šahovnica – das rot-weiße Schachbrett – und darüber die fünf historischen Regionalfelder. Keine Tierfigur ist darin enthalten.
Angela und der Feigenbaum
Während ich mich mit Balken, Kamin und Feuchtigkeit beschäftigt habe, hat Angela sich an den Feigenbaum am Kutak gewagt. Unter dem Baum hat sie alles freigeräumt: alte Blätter, Unkraut, Wurzelsalat, kleine Äste – die komplette Verdichtung der letzten Jahre.
Jetzt im Herbst wirkt die Ecke natürlich etwas kahl, aber dafür herrscht endlich Ordnung. Der Feigenbaum hat wieder Luft zum Atmen, und man erkennt zum ersten Mal so richtig, wie schön diese steinerne Nische eigentlich ist.

Ein Feuer zum Schluss
Am Sonntagabend haben wir das Wochenende am Lagerfeuer ausklingen lassen. Das Holz war wegen der Feuchtigkeit etwas zickig, aber mit Geduld, Strohanzündern und einem Hauch Sturheit brannte es schließlich doch. Vor uns der Kanal, hinter uns der halbfertige Dachrahmen, über uns der Winterhimmel – und irgendwo im Dunkeln vermutlich ein paar Mungos, die geprüft haben, ob noch irgendwo Futter herumliegt. Ihre Hinterlassenschaften am nächsten Morgen sind der Beweis.

Das Dach ist fast fertig, der Feigenbaum hat wieder Platz, das Olivenöl ist im Haus und die Mungos haben ihr neues Lieblingsrestaurant gefunden. Der Winter kann kommen – wir sind bereit, zumindest fast.
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